Ganz unabhängig von ihrer – für die Union gerade bayrisch-deftig bestätigten – Siegesgewißheit für die Bundestagswahl setzt die Koalition auf das Wort „Zukunft“. Die CDU hat auf ihrem Mainzer Parteitag justament ein Zukunftsmanifest verabschiedet, jetzt kann auch die FDP nicht ruhen. Hans-Dietrich Genscher reagiert auf seine listige Art, nach der Legende vom Hasen und Swinegel: ick bün all hier. Wichtig für die Liberalen sei vor allem der Wille zur Zukunftsorientierung bei der CDU, sagt er, als wäre seine Partei dem Partner, schon meilenweit voraus.

Martin Bangemann, manchmal umwerfend ehrlich, gesteht hingegen, was Sache ist. Vor badenwürttembergischen Freidemokraten, so wird berichtet, bezeichnete er es als notwendig, fünfzehn Jahre nach den „Freiburger Thesen“ den Begriff der Modernität neu auszu-

Und schließlich der Parteisekretär Helmut Haussmann: Er hat seinen von der Union als naseweis aufgenommenen Wunsch, das Umweltministerium nach der Wahl mit einem Liberalen zu besetzen, flugs dahin uminterpretiert, es gehe ihm nicht um neue Posten, sondern darum, „angesichts moderner Zukunftsszenen Flagge zu zeigen“.

Was immer das sein mag – denn von den Programmarbeiten bei der FDP hat man letzthin nichts mehr gehört. Aber zunächst ist Mithalten, wenigstens Dabeisein, erst einmal alles.

Die CDU ist mit ihrem Zukunftsmanifest gar nicht rühmlich umgegangen. Sang- und klanglos hat sie es in Mainz verabschiedet; drei Diskussionsforen vorher waren kaum mehr als Dekor – und sollten wohl auch nicht mehr sein. In ein paar Stunden läßt sich der riesige Themenkreis des vielbeschworenen gesellschaftlichen Umbruchs eben nicht bereden, zumal wenn allerhand Experten mit bedeutenden Namen zu Wort kommen sollen.

Das verleitet viele dazu, das Papier sogleich als Wahlkampflyrik abzutun. Kenner der Partei halten freilich dafür, daß sie sich da in Heiner Geißler täuschen. Der Generalsekretär, sagen sie, werde das Manifest vielmehr als Mandat benutzen, um seine CDU weiter auf den Zukunftsweg zu stoßen, wie er das schon beim „Frauenparteitag“ vor anderthalb Jahren getan habe. Wohl wahr: Wenn es nach dem 25. Januar um die Inhalte der neuen Legislaturperiode geht, werden sich wahrscheinlich noch viele Christdemokraten die Augen reiben, wie modern zu sein sie beschlossen haben.

So weit bekannt, ist Friedhelm Ost zwar in der CDU aktiv, aber ein Parteiamt hat er nicht, jedenfalls keines in den oberen Rängen. Gleichwohl war der Regierungssprecher in Mainz von Anfang bis Ende auf jenem Podium zu sehen, auf dem die Granden der CDU thronten. Zwar saß er in der hinteren Reihe, wo die wichtigsten Mitarbeiter der Parteizentrale plaziert waren, aber immerhin.