Die deutsche Stahlindustrie, die 1985 wie Phönix aus der Asche aufgestiegen ist und dank steigender Mengen und Preise wieder mit Gewinn gearbeitet hat, ist erneut ins Trudeln geraten. Die Rohstahlproduktion des vergangenen Jahres von stolzen 40,5 Millionen Tonnen ist in unerreichbare Ferne gerückt – viel mehr als 37 Millionen Tonnen sind 1986 nicht mehr drin.

Für die ersten zehn Monate rechnen die Stahlproduzenten mit einer Erzeugung von knapp 32 Millionen Tonnen verglichen mit 34,3 Millionen Tonnen im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

In einem wahren Konsumrausch befinden sich anscheinend derzeit die Bundesbürger. Höhere Einkommen, geringere Ausgaben für Öl und Gas sowie die gestiegene Bereitschaft zu höherer Verschuldung gelten als Gründe für den gestiegenen privaten Verbrauch. Das wird nach Ansicht der Bundesbank auch noch eine Weile so bleiben. Denn die günstigen Energiepreise und die preisdämmende Wirkung der höher bewerteten Mark dürften weiterhin zu einem kräftig wachsenden Realeinkommen der privaten Haushalte beitragen. Angesichts der Statistik fürs erste Halbjahr 1986 zeigt sich: Insgesamt stiegen die „Masseneinkommen“ um vier Prozent, wozu auch die höhere Beschäftigung und die Steuerentlastung beigetragen haben.

Mit einer unbefriedigenden Binnenkonjunktur hat allerdings die deutsche Bauindustrie zu kämpfen. Doch nicht nur das. Auch jenseits der Grenzen gehen ihre Geschäfte schlecht. Mit knapp zwei Milliarden Mark werden die Auslandsaufträge der Bauindustrie in diesem Jahr gerade noch ein Sechstel des Volumens von 1981 erreichen.

Der Trend zu kleineren Wohneinheiten macht sich deutlich bemerkbar: Die Stromversorger haben im vergangenen Jahr vier Millionen mehr Haushalte ans Stromnetz angeschlossen. Dank der sparsameren Elektrogeräte ist der private Stromverbrauch zwischen 1980 und 1985 im Schnitt langsamer gestiegen als zuvor. kab