Der finnische Spielwarenhandel rüstet ab. In einem Vertrag mit der Sozialbehörde verpflichtet sich der Unternehmerverband, künftig kein Kriegsspielzeug mehr einzuführen, herzustellen oder zu verkaufen. Wer in Schaufenstern und bei Nachbarskindern keine Panzer mehr sieht, so hofft die Direktorin der Sozialbehörde, Vappu Taipale, der wird sich friedfertiges Spielzeug wünschen. Gemeinsam wollen sich die Vertragspartner um Aufklärung der Eltern und die Entwicklung alternativer Spiele bemühen.

Doch wirklich friedlich wird die finnische Kinderwelt nicht werden. Denn Gewalt wird nicht allein durch Waffen-Imitationen in die Kinderzimmer transportiert, so Vappu Taipale, sondern durch einen aggressiven Lebensstil, der ebenso in Musik, Büchern, Automatenspielen und Videofilmen Ausdruck findet.

Zudem handelt es sich um eine freiwillige Vereinbarung, und dem Unternehmerverband, der sie unterzeichnet hat, gehören nur 80 Prozent der Spielzeugfirmen an.

Und schließlich: Weder Cowboy-Pistolen und Ritterburgen noch Star-Wars-Figuren will man den Kindern wegnehmen. Vom Markt verbannt wird solches Kriegsspielzeug, das die Entwicklung der Kinder ethisch schädigen könnte, insbesondere Nachahmungen modernen Kriegsgerätes, besagt das Abkommen. Die finnischen Vertragspartner taten sich schwer, eine klare Definition zu finden und haben am Ende ganz auf eine genaue „Schwarze Liste“ verzichtet. Eine Arbeitsgruppe soll Einzelfälle klären.

Uneinigkeit ist schon im voraus zu ahnen: Den Kassenschlager der Saison, den Krieg der Sterne, mögen viele Unternehmer nicht als Kriegsspielzeug bezeichnet sehen, sondern als unverfängliches, phantastisches Spiel.

Im Nachbarland Schweden ist man inzwischen um einige Erfahrungen reicher. Dort unterzeichnete die Spielzeug-Industrie bereits 1978 eine, ähnliche Vereinbarung. Seitdem darf in Schweden kein Spielzeug mehr verkauft werden, das Kriegsgeräten gleicht, die nach 1914 gebräuchlich waren oder sind. „Miniatursoldaten aus dem Ersten Weltkrieg dürfen wir nicht verkaufen, aber kleine Plastikkämpfer aus dem Zulukrieg durchaus; dabei ist der Unterschied nur mit der Lupe zu entdecken“, spottet Per Sparre vom schwedischen Verband der Spielzeughersteller. Kein Wunder, daß die Einzelhändler in den vergangenen Jahren oft nicht wußten, was sie nun für schädlich halten sollten und was nicht.

Die meisten Fachhändler haben sich jedoch Mühe gegeben, stellte die zuständige Behörde durch Stichproben fest. Aber an anderen Verkaufsstellen, an Tankstellen zum Beispiel, finden die Käufer alles, was ein kämpferisches Kinderherz begehrt.