Brokdorf

Ein Laie könnte denken, daß ein Atomkraftwerk und ein Auto nicht viel gemein haben. So fährt ein Atomkraftwerk nicht mit Benzin, und selbst beim größten anzunehmenden Autounfall kommt nie ganz Europa zu Schaden.

Doch der Laie irrt. Denn wo ein Atomkraftwerk steht, gehört es bald zu Heim und Haus wie der Familienwagen, und es ist gut, daß verantwortliche Politiker darauf jetzt einmal öffentlich hinweisen. Zum Beispiel in Brokdorf und Umgebung.

Als das Atomkraftwerk Tschernobyl von der Straße abkam, war der CDU-Fraktionsvorsitzende von Wilster, Joachim Kühl, vielleicht der erste, der daran erinnerte, daß Tschernobyl eine "Seifenkiste" sei, Brokdorf aber ein "Rolls-Royce".

Die Leute waren erleichtert. Hatte man auch je einen Rolls-Royce ins Schleudern kommen sehen? Hatte man überhaupt je einen gesehen?

Na also.

Dann sollte im Juni eine große Demonstration vor der Autogarage in Brokdorf stattfinden Dietrich Austermann, CDU-Bundestagsabgeordneter der Region, versuchte, dem Protest Argumente entgegenzusetzen: "Gibt es mehr Sicherheit für unsere Bürger, wenn Brokdorf nicht ans Netz geht?" fragte er in der Norddeutschen Rundschau. "Man könnte es auch anders formulieren: Werden die Straßen sicherer, wenn ick mein TÜV-geprüftes Auto in der Garage lasse und mit dem Pferdewagen fahre, weil mein Nachbar einen Rennwagen ohne Bremse fährt Nein. Ich muß den Nachbarn dazu bringen, gleiche Sicherheitsmaßstäbe anzulegen und unsere Maßstäbe ständig verbessern."