Jovito Salonga macht sich mit seiner Suche nach dem Marcos-Vermögen unbeliebt

Jovito Salonga ist clever und integer. Was immer der Mann bisher anpackte, das beendete er auch mit Exzellenz. Der Harvard-Absolvent, der seinen Doktor in Yale machte, wird von seinen früheren Universitätskollegen nur gelobt. „Ich habe bisher niemand aus den Philippinen angetroffen, der einen besseren Eindruck als dieser Mann gemacht hätte“, meint etwa der Harvard-Rechtsprofessor Manley O. Hudson. Doch neuerdings ist der 67jährige Minister im Kabinett von Corazon Aquino seinen Gesprächspartnern eher peinlich und lästig. Er ist nämlich auf der Jagd nach dem Vermögen des Ex-Diktators Ferdinand Marcos, der im Exil auf Hawaii lebt.

Ein Mann mit solcher Brillanz, der noch dazu politische Ambitionen hatte, mußte sich Feinde schaffen. Nach seiner Rückkehr aus Amerika richtete er zunächst eine Anwaltskanzlei in Manila ein und wurde 1961 als Kongreßabgeordneter ins Parlament gewählt. Fünf Jahre später wurde er Senator. Sein Aufstieg erfolgte parallel zu dem eines anderen Anwalts: Ferdinand Marcos. Die beiden wurden zu Rivalen.

Salonga brachte in den sechziger Jahren eine Resolution im Senat ein, die von den Politikern verlangte, die Herkunft ihres Vermögens offenzulegen. Er enthüllte, wie sich achtzehn Großkonzerne aus Japan schon damals durch Bestechungsgelder Zutritt zum Markt der einstigen Kolonie verschafften. Salonga wurde den Mächtigen unbequem. Im August 1971 – ein Jahr bevor Präsident Marcos den Notstand auf den Philippinen ausrief – explodierte eine Bombe auf der Plaza Miranda in Manila während einer Wahlveranstaltung der liberalen Partei, die gegen Marcos opponierte. Wer sie legte, ist bis heute ungeklärt. Salonga überlebte den Anschlag. Später wurde er inhaftiert. Anfang der achtziger Jahre verließ er das Land und kam erst zurück, als die Amerikaner Druck ausübten.

Daß er jetzt die Chance hat, mit einer eigens eingerichteten „Kommission für eine gute Regierung“ seinem Land einen Dienst zu tun bei der Suche nach dem Marcos-Vermögen, versteht er als Herausforderung. Er hat ein Büro in der Direktorenetage der philippinischen Entwicklungsgesellschaft eingerichtet. Er will das Geld, das aus der Staatskasse entwendet wurde, wieder auf die Philippinen zurückholen. Schließlich steht sein Land bei ausländischen Banken und Regierungen mit 26,7 Milliarden US-Dollar in der Kreide.

„Wir haben nicht genug Leute“, klagt Salonga. Fähige Mitarbeiter fehlen aber nicht deshalb, weil es auf den Philippinen etwa keine gutausgebildeten Menschen gäbe. Das Land hat gerade wegen der Verbindung zu Amerika eine gebildete Mittelklasse, die von den besten Universitäten kommt. Bisher hat sie allerdings ihre Energien hauptsächlich darauf konzentriert, schnell viel Geld zu machen, so auch die meisten Rechtsanwaltskollegen von Salonga. Jetzt also jemanden zu finden, der eine saubere Weste hat, ist schwer.

Die „Kommission für eine gute Regierung“, ausgestattet mit zahlreichen Dokumenten, Aussagen von Marcos-Freunden und den Papieren, die der US-Zoll dem ehemaligen Präsidenten der Philippinen bei der Ankunft auf Hawaii abnahm, hat bereits Beachtliches erreicht. Grundbesitz auf den Philippinen und die Anteile des Ex-Präsidenten an Unternehmen sind bereits verstaatlicht, Kunstgegenstände wie Ming-Vasen und Bilder den Museen zurückgegeben worden.