Mehr als ein Viertel des Börsenumsatzes kommt aus dem Ausland

Die Ausländer sind da“ – wenn dieser Ruf ertönt, beginnen die Augen der Aktienfans sofort zu glänzen. In den vergangenen Jahren fast immer zu Recht, denn mit wenigen Ausnahmen waren die ausländischen Anleger stets auf der Käuferseite.

Man muß in den Statistiken schon bis ins Jahr 1973 zurückgehen, um eine größere Verkaufswelle zu finden. Damals stießen die Ausländer per saldo für 187 Millionen Mark deutsche Aktien ab. Seither aber waren sie Nettokäufer für sage und schreibe 39 Milliarden Mark.

Allein 1985 wurden von jenseits der Grenzen Papiere für 10,6 Milliarden Mark gekauft, und das laufende Jahr bringt mit Sicherheit einen neuen absoluten Rekord, denn schon in den ersten acht Monaten gingen Aktien für 11,2 Milliarden Mark Richtung Zürich, London und New York. Angesichts solcher stolzen Zahlen ist es kein Wunder, daß die Bedeutung der Ausländer für unsere Aktienbörsen immer mehr zunimmt. Nach Berechnungen von Fachleuten machten die Auslandsorder 1980 nur 22 Prozent der Börsenumsätze aus. 1985 wären es schon gut 25 Prozent und seit Jahresbeginn eher 28 Prozent.

Für die jeweilige Tendenz sind diese Aufträge wegen einer Besonderheit noch wesentlich bedeutsamer, als die Zahlen andeuten: Ausländer, zum überwiegenden Teil Profis, ordern wesentlich aggressiver als ihre deutschen Kollegen. Ist ein deutscher Fondsmanager meist ängstlich darauf bedacht, den Markt durch seine Engagements nicht allzu stark in Bewegung zu bringen, kennen ausländische Money-Manager diese Zurückhaltung nicht.

Aufschluß über die ausländischen Käufer gaben vor kurzem Zahlen der Deutschen Bundesbank, die im Düsseldorfer Handelsblatt veröffentlicht wurden. Danach dominierten lange Jahre die Opec-Länder, die einen Teil ihrer hohen Öl-Einnahmen auch in deutsche Aktien investierten. 1981 kauften die Scheichs Aktien für netto 1,36 Milliarden Mark und bestritten damit mehr als die Hälfte der gesamten Auslandskäufe.

Danach aber neigte sich die schöne Zeit der Ölfürsten ihrem Ende zu, denn sie mußten mehr und mehr Kasse machen. Schon im vorigen Jahr stießen sie für knapp 1,1 Milliarden Mark bundesdeutsche Aktien ab, ein Wert, der nach schnelleren Verkäufen bereits im ersten Halbjahr 1986 übertroffen wurde.