Eine Vielzahl offizieller Sondertarife machen den früher so verbreiteten Kauf von Billigtickets auf dem schwarzen Markt nahezu überflüssig.

Ein Flug von Frankfurt nach Bangkok und zurück kostet normal 5175 Mark. Bleibt der Reisende mindestens vierzehn Tage und höchstens drei Monate in Fernost und hat er zudem die Möglichkeit, seine Flugtermine schon vorher festzulegen, zahlt er für das gleiche Ticket nur noch 2038 Mark. Das ist ganz legal und nennt sich Holiday-Tarif. Vor nicht allzulanger Zeit mußten solche Billigflieger noch schummeln, sich ihre Tickets etwas außerhalb der Legalität auf dem schwarzen Flugscheinmarkt besorgen. Heute lohnt sich das kaum noch. Denn selbst die letzten noch übriggebliebenen Schwarzmarkthändler müssen für ein Bangkok-Ticket mindestens 1600 bis 1800 Mark verlangen. Und bei ihnen startet dann der Fernosttrip irgendwo in einem Nachbarland, in Amsterdam, Paris oder London.

Daß die Fluggesellschaften inzwischen zahlreiche Sondertarife eingeführt haben, ist sicher mit auf die früheren Schwarzmarktaktivitäten zurückzuführen. Tariftreue und damit teure Fluggesellschaften waren es leid zu beobachten, wie ihnen immer mehr Kundschaft zu den Billiglinien abwanderte. Hiesige Flughafenverwaltungen beklagten, daß zahlreiche deutsche Passagiere von Nachbar-Airports starteten, wo man es ebenfalls mit den Tarifen nicht so genau nahm.

Natürlich herrschen in Europa noch andere Verhältnisse in der Flugtarifpolitik als etwa in den USA, wo jede Airline ihre Preise frei nach Angebot und Nachfrage kalkulieren kann. Doch mit der heutigen Situation und den zahlreichen Sondertarifen könne man leben, versichert nicht nur Peter Menkel, Verkaufsleiter der Singapore Airlines. Tatsächlich, ermittelten Statistiker, flogen bereits im vergangenen Jahr von den 8,6 Millionen Passagieren, die von deutschen Flughäfen ins Ausland starteten, nur noch etwa 500 000 zum normalen, hohen Linienflugtarif. Der große Rest benutzte Charterflüge oder hatte einen billigen Sonderflugschein erworben. Dazu zählen auch die in diesem Sommer neu eingeführten „Super flieg&spar-Tarife“ nach Großbritannien und Frankreich. Die Preise sind um bis zu 50 Prozent reduziert. Zu vielen anderen europäischen Zielen ist ebenfalls nur noch ein Discountpreis zu zahlen, der immerhin 25 Prozent unter dem Normaltarif liegt. Günstiger reist der Passagier zu den bekannten Urlaubszielen lediglich mit dem Charterflugzeug. Dabei wird kaum noch kontrolliert, ob er wirklich ein komplettes Reisepaket gebucht hat, zumal seit zwei Jahren die sogenannten Campingflüge, also Transport und Zeltplatzarrangement, erlaubt sind.

Während die Liniensondertarife allerdings Festpreise sind, können die Charterflüge vom Veranstalter oder vom Reisebüro frei kalkuliert werden. Dabei lohnt sich also auf jeden Fall der Preisvergleich. In diesem Winter kostet etwa ein Charterflug von Düsseldorf nach Gran Canaria zwischen 600 und 700 Mark. Es gibt solche Charterflüge übrigens auch zu fernen Zielen, wenn diese im großen Urlaubsgeschäft eine Rolle spielen. In diesem Winter etwa nach Mombasa in Kenia, nach Kuba, Jamaika, Bangkok, Sri Lanka, Brasilien und auf die Malediven. Oft werden solche Charterflüge kurz vor Abflug bei Spezialisten wie dem Düsseldorfer „Last Minutes Service“ (Telephon 02 11/4 21 64 31) noch einmal erheblich preisreduziert angeboten.

ABC-Charterflüge in die USA und nach Kanada sind in diesem Winter so billig wie schon lange nicht mehr. So kostet beispielsweise ein Flug von Frankfurt nach New York und zurück je nach Termin zwischen 1049 und 1129 Mark. Dabei ist seit dem vorigen Jahr die früher erforderliche mehrwöchige Anmeldefrist entfallen. Nur wenig teurer ist der Holiday-Tarif nach New York, er liegt zur Zeit bei 1228 Mark. Seit neuestem erhalten Jugendliche bis 22 Jahre und Studenten bis 26 Jahre darauf noch einen Rabatt, sie fliegen ab 847 Mark in die USA. Holiday-Tarife gelten für zahlreiche Flüge nach Südamerika, Afrika, Fernost und Australien. Das einzige Problem für den Verbraucher ist die mit der Einfuhrung neuer Tarife wachsende Unübersichtlichkeit des Marktes.

Immerhin versuchen Fluggesellschaften und Reisebüros diese Schwierigkeit jetzt mit Hilfe moderner Technik in den Griff zu bekommen. Seit Beginn dieses Jahres sind beispielsweise alle offiziellen Lufthansa-Agenturen über ihren Buchungscomputer mit dem neuen Tariferfassungssystem „Fare Quote“ der Fluggesellschaft verbunden. Das spuckt auf Knopfdruck über 1,6 Millionen Tarife für etwa 60 000 verschiedene Flugrouten aus. Zusätzliche Informationen bieten ähnliche englische und amerikanische Systeme, die die Reisebüros ebenfalls über ihren sogenannten Start-Computer oder auch über Bildschirmtext abfragen können.

Sabine Käning