ZEIT: Immer häufiger wird von guten Chancen der Frauen auf dem Arbeitsmarkt gesprochen. Zunehmendes Stellenangebot im Dienstleistungssektor, steigende Zahl weiblicher Beschäftigte in vermeintlichen Männerberufen: Begründungen gibt’s zuhauf. Wird da nicht arg schöngefärbt?

Engelen-Kefer: Ein wenig sicherlich. Frauen nehmen in zunehmendem Maße am Erwerbsleben teil, auch Frauen mit Familienpflichten. Hierfür ist im allgemeinen weniger die Selbstentfaltung ausschlaggebend als vielmehr die finanzielle Notwendigkeit. Probleme bleiben aber. Frauen haben nach wie vor schlechtere Tätigkeiten als Männer. Schlechter im Hinblick auf Krisenanfälligkeit, auf Aufstiegsmöglichkeiten, Qualifizierungschancen und Einkommen. Frauen arbeiten zudem vermehrt als Teilzeitarbeitskräfte und als geringfügig Beschäftigte, für die keine Sozialabgaben bezahlt werden.

ZEIT: Nach der Statistik zum Lehrstellenmarkt sind zwei Drittel der noch nicht vermittelten Bewerber junge Frauen. Was läuft da schief?

Engelen-Kefer: Die Mädchen ziehen, was ihre Bildung anbelangt, mit den Jungen gleich. Oft sind ihre Ergebnisse sogar besser. Wenn es aber um die Suche nach einem Ausbildungsplatz geht, sind sie benachteiligt. Das liegt an den Vorurteilen, die viele Anbieter von Ausbildungsplätzen noch haben. Man geht davon aus, Frauen würden schneller aus dem Arbeitsmarkt wieder austreten, in die Familien zurückgehen, obwohl das heute bei weitem nicht mehr so zutrifft.

Zudem hängt die Benachteiligung mit der Wahl des Berufes zusammen. Hier bestehen Vorurteile auf allen Seiten: Einerseits drängen Mädchen und ihre Eltern noch sehr in frauentypische Berufe, andererseits bieten Arbeitgeber nicht in ausreichendem Maße Ausbildungsplätze für Mädchen in den zukunftsträchtigen Berufen des gewerblich-technischen Bereiches an.

ZEIT: Jungakademikerinnen haben es auch schwerer bei der Arbeitssuche. Warum eigentlich?

Engelen-Kefer: Das liegt allgemein an Vorurteilen gegenüber Frauen, aber auch an der Vorliebe der Studentinnen für Berufe, in denen die Einstellungschancen momentan schlecht sind – ob nun Pädagogen, Sozialarbeiter, Psychologen oder sonstige Geisteswissenschaftler.