Verbraucherschützer prüften die Preise bei Funk- und Fernsehhändlern

In großen roten Lettern prangt die Botschaft auf der ersten Seite der jüngsten Ausgabe von Verbraucher Aktuell „Telefunken-Händler machen Reibach mit falschen Preisen.“ Die Redakteure der Zeitung für den kritischen Konsumenten, herausgegeben von der Verbraucher-Zentrale in Nordrhein-Westfalen, haben sich die Mühe gemacht, die Preise für HiFi-Produkte von Telefunken zu vergleichen. Und siehe da: Nach ihren Recherchen gab es große Unterschiede.

Das wäre nichts Besonderes, weil normalerweise jeder Einzelhändler seine Preise selbst gestalten kann. Nicht so bei Telefunken-Geräten. Die Tochter des französischen Thomson-Brandt-Konzerns in Hannover hat sich nämlich bereits vor Jahren ein ganz besonderes Vertriebssystem ausgedacht. Ihre Händler verkaufen Fernseher, Plattenspieler, Videorecorder und komplette HiFi-Anlagen nur „im Namen und auf Rechnung“ des Herstellers. Der finanziert die Produkte vor, nimmt Ladenhüter zurück, trägt also das volle Verkaufsrisiko. Die Händler kassieren eine feste Provision und müssen sich im Gegenzug streng an die Preisvorschriften aus der Zentrale in Hannover halten. Es gilt ein bundesweiter Einheitspreis für einzelne Gerätetypen.

Als Agentursystem wird dieses Prinzip allgemein bezeichnet, fein zu unterscheiden von einer Preisbindung, die in der Bundesrepublik verboten ist. Den Wettbewerbshütern im Berliner Kartellamt war zunächst die Abgrenzung nicht ganz klar. Die Behörde verbot 1983 diese Vertriebspraxis. Doch schließlich urteilte der Bundesgerichtshof anders: Gegen das Verbot der Preisbindung im Kartellgesetz würde diese Form des Partnersystems nicht verstoßen. Und fortan bekamen die Händler ihre Listen immer dann, wenn Telefunken Preise herauf- oder heruntersetzte; dazu einen Stichtag, an dem die neue Auszeichnung zu erfolgen hatte. Damit die Verkäufer der Verlockung widerstehen, Preiserhöhungen direkt und Preissenkungen nur mit Verzögerungen an den Kunden weiterzugeben, sind ständig 72 Außendienstler unterwegs. Und nicht nur das. Auch die Kunden können kontrollieren, ob sie auch wirklich nur die Summe zahlen, die Telefunken ab Werk verlangt. Anhand von Listen in den Läden können sie selbst die Preise vergleichen. Genau das taten die Düsseldorfer Verbraucherschützer. „Bei 15 von 21 Radio- und Fernsehhändlern in Nordrhein-Westfalen stellte Verbraucher Aktuell Abweichungen vom verbindlichen Richtpreis fest“, teilten sie ihren 30 000 Abonnenten mit. Auch Namen werden genannt. So hätte Karstadt in Düsseldorf den Telefunken-Recorder HC 850 noch für 645 Mark verkauft, obwohl er laut Preisliste seit zwei Wochen nur 375 Mark hätte kosten dürfen. Und von der Firma City Radio aus Duisburg berichten die Rechercheure, daß sie für einen Stereo-Turm selbst nach einem Monat die Preissenkung noch nicht weitergegeben hätte. Nur sechs Tage hingegen brauchte der Duisburger Laden nach Beobachtungen der Journalisten für die Preiskorrektur bei einem Fernseher: Er durfte um 100 Mark teurer verkauft werden. Schon Anfang September wurde Peter Andres, er ist Marketingleiter bei Telefunken, von den Verbraucherschützern informiert. Der sei aber nicht in der Lage gewesen, die neuen Preise bei den genannten Unternehmen innerhalb von zehn bis zwölf Tagen durchzusetzen, klagten die Redakteure der Verbraucherzeitung. Dann hakten sie noch mal nach. Andres bestreitet indes, von ihnen konkrete Namen erhalten zu haben: „Ich hätte mich sofort ins Auto gesetzt und selber nachgeschaut.“

Händler, die sich auf diese Weise ein Zubrot verdienen, müssen nämlich mit Abmahnungen rechnen. Bessern sie sich nicht, werden sie aus der Vertriebsgemeinschaft verstoßen. Den geschädigten Kunden zahlt Telefunken die Differenz zurück, vorausgesetzt sie merken, daß ihnen zu viel Geld abgeknöpft wurde.

Kurt Marken vom Bundeskartellamt gibt zu bedenken, daß es sich in Nordrhein-Westfalen nur um kurzfristige Anpassungsschwierigkeiten gehandelt haben könnte. Würde das Agentursystem aber nur zum Schein angewendet, fiele es unter die verbotene Preisbindung. Dafür aber fehlen die Beweise. Möglicherweise wird sich das ändern. „Das Kartellamt wird noch informiert. Wir haben genug Belege“, versichert Udo Keßler, verantwortlicher Redakteur der Verbraucherzeitung.

Auch wenn Telefunken selbst großes Interesse daran hat, daß sich die 6200 Partner an die verbindlichen Preise halten und Andres nach wie vor glaubt, „daß das System funktioniert“, könnte die Aktion in Nordrhein-Westfalen der Anlaß für die Berliner Behörde sein, „die Sache aufzugreifen“, meint Marken.