/ Von Eckhard H. Krüger

Eines der Hauptprobleme des Strahlenschutzes ist die korrekte Berechnung der Strahlendosis von Radioaktivitätskonzentrationen in Atemluft und Nahrung. Radioaktive Stoffe, die in den Körper gelangen, haben eine deutlich höhere biologische Wirksamkeit als es die Messung der rein physikalischen Energiedosis erwarten läßt. Die Energiedosis ist physikalisch eindeutig als deponierte Energie oder absorbierte Energie in Energieeinheiten pro Masseneinheit meßbar (Gray oder Rad).

Das trifft nicht mehr zu für die biologisch wirksame Dosis. Diese wird aus der Energiedosis abgeleitet durch Multiplikation mit dem Qualitätsfaktor, der die biologische Wirksamkeit beschreibt. Bei dieser Äquivalentdosis handelt es sich also um eine berechnete Größe. Dieses Verfahren ist insofern sinnvoll, als wir für verschiedene radioaktive Nuklide, die im gleichen Organ angesammelt werden, eine Organdosis aufsummieren können.

Auf der Basis dieser Äquivalentdosis lassen sich dann Risikoabschätzungen und Voraussagen über Sofortschäden oder Spätfolgen von Bestrahlung vergleichen. Der Qualitätsfaktor für die biologische Wirksamkeit verschiedener Strahlung wurde aufgrund einer Reihe von Experimenten für die einzelnen Strahlungsarten und ihre besonderen Kennzeichen ermittelt. Diese und anden Faktoren werden zu Dosisfaktoren zusammengefaßt und erlauben die Umrechnung von Radioaktivitätsmengen (Becquerel) in Äquivalentdosis (Sievert bzw. Rem). Festgelegt und vereinheitlicht sind diese Faktoren seit 1977 in einer Richtlinie des Bundesinnenministeriums.

Seit Tschernobyl weisen jedoch die offiziellen Stellungnahmen nicht nur Organdosen aus, sondern als neue Größe die sogenannte effektive Äquivalentdosis. Zur Berechnung dieser Größe werden die einzelnen Organdosen ein weiteres Mal mit sogenannten Wichtungsfaktoren multipliziert und dann addiert. Die Wichtungsfaktoren sind stets kleiner als 1. Sie sollen angeben, wie viele der erzeugten Krebsfälle zum Tod führen. So beträgt zum Beispiel der Wichtungsfaktor für den Schilddrüsenkrebs die Zahl 0,03.

Damit ist die effektive Äquivalentdosis keine feste, sicher erfaßbare Größe und schon gar keine Dosis. Sie hat mit dieser nur den Namen gemeinsam. So wird sie sich zum Beispiel mit dem Fortschritt der Medizin regelmäßig verringern. Eine Betrachtung der Todesfälle sagt aber nichts über die tatsächliche Anzahl der Krebsfälle und der damit verbundenen Leiden und volkswirtschaftlichen Kosten aus.

Es gibt keine Strahlendosis, die nicht zu einer Schädigung im biologischen Material führt. Das Grundgesetz garantiert jedem Bürger das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Die Strahlenschutzverordnung legt für verschiedene Personengruppen und für die Bevölkerung in der Umgebung von kerntechnischen Anlagen Dosisgrenzwerte fest, die nicht überschritten werden dürfen. Dies bedeutet aber nicht, daß unterhalb dieser Werte keine Schädigung zu erwarten ist. Die Höhe der Strahlenbelastung wird in der Strahlenschutzverordnung allein durch den Stand von Wissenschaft und Technik begrenzt und soll so gering wie möglich sein (§ 28).