Über alle Fragen des Lebens schichten wir eine gründliche und schwerfällige Literatur auf, und wenn wir uns damit den Blick auf das wirkliche Leben vollkommen verbaut haben, so bleiben wir selbstzufrieden und genügsam in unserer Papierballen-Festung sitzen. Und weiter – nichts! ... Da heißt es denn: Im Zweifel enthalte dich! und es bleibt beim lieben alten, was als das Sicherste erscheint und jedenfalls das Bequemste ist. Das ist nun deutsche Art, aber es ist falsche Art.“

Deutliche Worte, nicht eben typische Sprache eines Diplomaten. Zwar ging es diesmal, im Jahr 1846, nur um die Handelspolitik Preußens; doch Heinrich Alexander von Arnim, der diese Worte fand, schrieb gern drastischer, als manchem seiner Zeitgenossen lieb sein konnte.

Während preußische Generäle und Militärs, dem Klischee verbunden, gewöhnlich Biographen zur Genüge fanden, hat selbst das neuerwachte Interesse an Preußen seinen Diplomaten und Ministern wenig Beachtung geschenkt. Eine Ausnahme ist das Buch von

Albrecht von dem Bussche: Heinrich Alexander von Arnim. Liberalismus, Polenfrage und deutsche Einheit. Das 19. Jahrhundert im Spiegel einer Biographie des preußischen Staatsmannes; Biblio-Verlag, Osnabrück 1986; 426 S., 78,– DM.

Um gleich eine weitere Ausnahme zu nennen: Der Autor hat sich überaus gründlich in das Quellenmaterial vertieft (auch im Zentralarchiv der DDR in Merseburg) und läßt, wo immer sich dies anbietet, Arnim selbst oder Stimmen seiner Zeit zu Wort kommen. Mitunter gerät dies für den Geschmack des ungeduldigen Lesers recht ausführlich, doch oft genug versöhnt ihn die damit verbundene Anschaulichkeit. Diesem Ansatz half, daß Arnim ein flüssig und farbig formulierender, überaus fleißiger Brief- und Tagebuchschreiber war, dessen Nachlaß nahezu vollständig erhalten blieb.

Arnim – viele dieses Namens haben ihrem Preußen gedient, nicht alle besaßen eine fundierte Urteilskraft wie Heinrich Alexander. 1798 in Mecklenburg geboren, war er noch eben jung genug, um selbst mit in den Freiheitskrieg zu ziehen und 1815 in einem Brief an den Vater mit bemerkenswerter Distanz von seiner Verwundung zu berichten: „Der linke Arm war durchhauen, ich sah den einen Knochen zersplittert...“

Diese militärische Erfahrung ließ ihm offenbar die diplomatische Laufbahn ratsam scheinen, die er rasch und zielstrebig absolvierte. Stationen waren Neapel, Brüssel und Paris.