Mit dem Ausbau eines Hafens wollen die Anrainerstaaten von Südafrika unabhängig werden

Von Bernadette Conraths

Der Hafen Beira in Mosambik ist verkommen, genauso wie die Eisenbahnlinie, die ihn mit Zimbabwe verbindet. Die Fahrrinnen versanden schnell, an den Kais können gerade noch Schiffe bis zu 25 000 Tonnen anlegen. Es machen auch kaum noch welche fest, denn Ladung gibt es selten, weil nur noch ein Zug am Tag über die Gleise kriecht und das sowieso nur bei Tageslicht. Für Frachtunternehmen in Zimbabwe ist der Transport längst zu kostspielig geworden, zumal südafrikanische Häfen wie Durban mit ermäßigten Prämien locken. Doch plötzlich ist das alles anders.

Die heftige Diskussion um Sanktionen gegen Südafrika rückte das kleine Stückchen Erde, den Beira-Korridor, unversehens ins Rampenlicht. Die bedrohliche Zuspitzung der Lage im Apartheidsstaat machte der Welt die Abhängigkeit der Nachbarländer von Pretoria bewußt. Lebenswichtige Transport- und Handelswege der gesamten Region laufen durch die Kaprepublik. Alle anderen Verbindungen, ob in Angola, Malawi oder Tansania, wurden entweder durch Terrorakte zerstört oder sind nicht leistungsfähig genug. Auch bei ernsthaften Konflikten gibt es für die Staaten des südlichen Afrikas keine Alternative zu den Bahnen und Häfen des Burenstaats.

Dieser Zustand soll jetzt geändert werden. Unter der Schirmherrschaft der Europäischen Gemeinschaft schnürten im Oktober etliche Länder – die Staaten der EG und Skandinaviens, dazu Holland, die Vereinigten Staaten und die DDR – gemeinsam mit der Weltbank ein Finanzierungspaket von insgesamt sechshundert Millionen Dollar. Dampfloks müssen repariert, neue gekauft und gesprengte Eisenbahnschienen geflickt, der Hafen ausgebaggert und modernisiert werden.

Schnellste Verbindung

Einer, der sich sehr um das Engagement der internationalen Geldgeber bemüht hatte, fehlte bei der Brüsseler Beira-Konferenz: Mosambiks Staatschef Samora Machel kam wenige Tage zuvor bei einem noch ungeklärten Flugzeugabsturz über Südafrika ums Leben. Dem zerrütteten Land, das wußte er, würde die Instandsetzung der zerstörten Transportwege neue Impulse geben.