Von Dieter E. Zimmer

Als Ende der vierziger Jahre die ersten ungefügen Computer gebaut waren und man sich überlegte, wozu ihre verblüffenden Rechenfertigkeiten alles eingesetzt werden könnten, kam man bald auf die Idee, daß sie sich doch eigentlich auch fürs Dolmetschen natürlicher Sprachen eignen müßten. 1949 ermutigte Warren Weaver, einer der Pioniere der Informatik, in einem Rundbrief einige hundert Kollegen, die Sache anzupacken. Es traf sich, daß amerikanische Behörden – vor allem das Pentagon und die CIA – solcher Zukunftsmusik mit Interesse lauschten; gern hätten sie zum Beispiel technische Literatur aus der Sowjetunion am laufenden Meter übersetzt. So wurde die fünfziger Jahre über viel Geld in die Erforschung der "MÜ" – der maschinellen Übersetzung – gesteckt. Aber es wollte und wollte nichts Brauchbares dabei herauskommen.

Schließlich setzte die Akademie der Wissenschaften einen Ausschuß ein, der herausfinden sollte, ob sich weitere Zuschüsse lohnten. Das Jahr, in dem er seinen Bericht vorlegte, 1966, wurde zum schwarzen Datum der MÜ. Denn der Schluß, zu dem dieser sogenannte ALPAC-Bericht (Automatic Language Processing Advisory Committee) damals kam, lautete grob: Es lohnt sich nicht. Die bisherigen Ergebnisse seien so überaus dürftig, daß keine Hoffnung bestehe, die Übersetzerei in absehbarer Zeit auf Rechenmaschinen zu verlagern. Passable Ergebnisse lieferten sie erst bei einem solchen Aufwand an menschlicher Nachredaktion, daß es billiger komme, wenn die Arbeit wie gewohnt gleich von Menschen verrichtet würde. Aber weiter forschen möge man ruhig.

Da nun aber die Gelder nicht mehr flossen, wurde auch kaum noch geforscht. Die MÜ hatte einen denkbar schlechten Ruf weg, und ganz hat sie sich davon bis heute nicht erholt. Die Sache galt als nicht machbar, als unseriös. Erst viele Jahre später beginnt man sich zu der Ansicht zu bekehren; daß sie wohl sehr viel schwieriger ist, als es im Überschwang der Gründerjahre des Computerzeitalters schien, aber so ganz aussichtslos nun doch nicht.

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Was ganz unmöglich schien, in bescheidenem Maß ist es heute hier und da Realität. Seit 1970 verwendet die amerikanische Luftwaffe ein System namens SYSTRAN für russisch-englische Übersetzungen; heute wird es vor allem in Japan und bei der Europäischen Kommission in Luxemburg weiterentwickelt. Seit 1975 übersetzt in Hongkong ein System namens CULT chinesische Fachzeitschriften auf den Gebieten Mathematik und Physik ins Englische. Seit 1977 werden in Kanada mit einem System namens METEO englische Wetterberichte vollautomatisch ins Französische übersetzt. Seit 1980 benutzt die Panamerikanische Gesundheitsorganisation in Washington ein System namens SPANAM für Übersetzungen aus dem Spanischen ins Englische.

Und viele Firmen haben inzwischen Übersetzungscomputer angeschafft. Zwei der heute kommerziell vertriebenen Systeme (ALPS und Weidner) gingen aus den missionarischen Anstrengungen der Mormonen hervor, die sich damals von dem ALPAC-Bericht nicht einschüchtern ließen; beide laufen auf Mikrocomputern, das von Weidner kostet 45 000 Mark und beherrscht sieben Sprachrichtungen (und sein Haken ist der, daß es von sich aus nur 9000 Wörter kennt, so daß sich seine Benutzer ihr Lexikon allein aufbauen müssen.) Das verbreitetste kommerzielle System, das ebenfalls amerikanische LOGOS, das auf einem Bürocomputer läuft, wird allein in der Bundesrepublik inzwischen bei sechzehn Firmen eingesetzt.