Bis tief in den November hinein kann man Italien zu Fuß erkunden. Das markierte Wegenetz überzieht die Halbinsel bis nach Umbrien, noch weiter südlich heißt es, sich selber zu orientieren.

Gute fünf- bis sechstausend Kilometer Länge mißt die Strecke, schätzungsweise 200 bis 250 Tage sind vonnöten, um die Gebirgszüge Italiens abzuschreiten.

Das dichteste Wanderpfad-Netzwerk überzieht die Alpenregionen von Friaul bis Piemont. Dort sind auch die meisten Bergsteiger unterwegs, mindestens 20 000 bewältigen pro Jahr die „Grande Traversata delle Alpi“, die große Alpenüberquerung. Ungezählt schließlich die Dolomiten-Wanderer, in den Kalkfelsen werden bereits auf einzelnen Routen jährlich mehrere tausend Touristen registriert.

Der „Sentiero d’Italia“, ein markierter Fernwanderpfad ohne Kletter- oder Gletscherpassagen, nimmt in den Alpen seinen Anfang, das erste Stück empfiehlt sich eher für sommerliche Exkursionen. Für Fußmärsche südlich des Alpenbogens ist der Herbst die geeignetere Jahreszeit: Bis Ende November dauert die Erntezeit für Pilze und Beeren, und mindestens genauso lange hält sich die Farbenpracht der Laubwälder auf dem Apennin.

Die Markierungen des „Sentiero d’Italia“ reichen bis kurz vor das umbrische Städtchen Gubbio. Die Tippel-Etappe dahinter, die Umbrien mit der Region Marche verbindet, soll im nächsten Frühling fertig ausgeschildert sein. Noch ein paar Jahre kann es hingegen dauern, bis der Wanderer auf gekennzeichneten Routen durch die Regionen Latium und Abruzzen findet. Mit ein bißchen Abenteuerlust und wohlsortierter Ausrüstung (Zelt, Kompaß Militär-Landkarten) lassen sich indessen die Berge des Südens auch auf eigene Faust überqueren.

Touren durch die Gebirgslandschaft der Stiefelspitze sind freilich eine recht einsame Angelegenheit. In den Wäldern des Sila-Massivs, an den Hängen des Monte Pollino oder gar in den geheimnisvollen Talschluchten des Aspromonte begegnet man kaum einmal einem Wegweiser, geschweige denn einem Weggefährten. Auch Schutzhütten sind gänzlich unbekannte Einrichtungen.

Etwas einfacher ist es, sich weiter nördlich, in Latium oder in Abruzzen, zurechtzufinden. Der Gran Sasso und der Nationalpark Abruzzen verfügen immerhin über markierte Wanderwege. Abseits des erschlossenen Geländes heißt es freilich wieder zum Kompaß zu greifen. Die herbstlich bunten Buchenwälder, die Wasserfälle und Schluchten dieser beiden Apenningebiete harren ebenfalls noch ihrer alpinistischen Erschließung.