ZEIT: Herr Mann, was sagen Sie zu dem Vorwurf der SPD, die deutsche Industrie unterstütze die Regierungsparteien durch Werbekampagnen

Mann: Ich sehe das zunächst nicht als den Vorwurf der SPD, sondern als den Versuch eines PR-Funktionärs dieser Partei, einen der in Wahljahren so beliebten Nebenkriegsschauplätze zu eröffnen.

ZEIT: Nun sagt die SPD, sie verfüge über Informationen, daß die Elektrizitätswirtschaft und der BDI jeweils 30 Millionen Mark für Werbekampagnen zugunsten der Regierungsparteien ausgeben wollen. Ist das alles falsch und erfunden?

Mann: Das ist geradezu absurd, soweit es uns betrifft. Der Betreffende, der das gesagt hat, handelte entweder böswillig oder leichtfertig. Wir denken nicht daran, auch nur eine einzige müde Mark mehr für die Aufgaben des BDI auszugeben als in Nicht-Wahljahren. Das heißt aber nicht, daß wir darauf verzichten, gerade auch in einem Wahljahr Flagge zu zeigen und klipp und klar unsere Auffassung unter die Leute zu bringen. Ein Verband, der ganz unmittelbare Verantwortung für die Industrie hat und der auch über einen entsprechenden Sachverstand verfügt und ein klares ordnungspolitisches Konzept besitzt, muß Farbe bekennen. Er darf nicht, wie sich das mancher wohl wünscht, in Deckung gehen.

ZEIT: Kritik am SPD-Wahlprogramm, wie sie auch vom BDI geäußert wurde, ist für Sie keine Einmischung in den Wahlkampf?

Mann: Wir äußern uns kritisch gegenüber der SPD, wir äußern uns auch, wo nötig, kritisch über die Bundesregierung. Wir tun dies in Nicht-Wahljahren. Warum sollten wir es ausgerechnet in Wahljahren unterlassen? Dazu gehört auch, darauf hinzuweisen, daß die SPD in ihren wirtschaftspolitischen Grundsatzäußerungen den Markt als Ordnungsprinzip mehr und mehr in den Hintergrund treten läßt, während wir mit der Bundesregierung ordnungspolitisch weitgehend übereinstimmen können.

ZEIT: Die Arbeitgeber haben gerade jetzt erst, gegen Gewerkschaften und Opposition (SPD und Grüne) Stellung bezogen. und für die Regierung Partei ergriffen. Ist das nicht zu weit gegangen?