Der Bundesgerichtshof erlaubt das Kopieren klassischer Werke

Von Roland Kirbach

Musikverleger sind besondere Unternehmer. Zwar "wollen und müssen" auch diese speziellen Verlage "kommerziell betrieben werden", sagt der Musikverleger Roland Schied, "aber nicht ausschließlich". Denn sie haben eine "Verpflichtung gegenüber der Allgemeinheit". Zum Beispiel C. F. Peters in Frankfurt, ein traditionsreiches, im Jahr 1800 in Leipzig gegründetes Haus: Es kann derzeit etwa 15 000 Titel liefern, vom einzelnen Notenblatt bis zur großen Partitur. Doch nur "mit einem ganz geringen Anteil dieser Titel, den man unter zehn Prozent ansiedeln kann", sagt Verlagsdirektor Schied, mache C. F. Peters den überwiegenden Teil seines Geschäftes. "Nach streng kaufmännischen Gesichtspunkten", meint er, müßte man den ganzen unrentablen Rest aus dem Programm streichen.

Der Kunst verpflichtet

Doch Musikverleger sind eben nicht nur Kaufleute. Sie empfinden sich als Kulturschaffende, sind der Kunst verpflichtet. Und so werden eben auch die Ladenhüter "mit hohem Aufwand" weiter angeboten, weil sonst das "Repertoire der Musikpflege" reduziert würde. Müßte auch nur ein Dutzend Verlage die Arbeit einstellen, orakelt der Verleger, "so wäre ein Verkümmern des Musiklebens in seiner heutigen Form die Folge", und der Musikbetrieb, er würde "geradezu zusammenbrechen".

Rund 1450 Musikverlage sind bei der Gema gemeldet, darunter jedoch sehr viele Eigen- und Kleinbetriebe, die nur als Nebenerwerb geführt werden. Lediglich dreihundert davon gehören dem Deutschen Musikverlegerverband in Bonn an. Etwa ein Drittel von denen wiederum ist auf klassische, die sogenannte E-Musik spezialisiert, der Rest auf Popmusik und Schlager, sogenannte U-Musik. Zusammen erwirtschafteten sie 1984 einen Umsatz von mehr als 310 Millionen Mark. Der größte Teil davon, rund 166 Millionen Mark, sind Einnahmen aus den Gema-Gebühren, mit 110 Millionen Mark folgt an zweiter Stelle der Handel mit Noten, den Rest bringen Lizenzen. Zu den Kunden zählen Musizierende jeder Art: Laienmusiker, Musikschulen, Chöre.

Freiwillig, betont Schied, übernehme seine Branche eine kulturpolitische Funktion, die anderswo, etwa in der Wissenschaft, durch die öffentliche Hand wahrgenommen werde. So bringen die Verlage von Zeit zu Zeit wissenschaftlich revidierte Neuauflagen von Klassikern heraus und sorgen dafür, daß Schallplattenfirmen Neuaufnahmen einspielen können, die auf dem musikwissenschaftlich neuesten Stand sind. Ein weiteres Verdienst der Verlage sei es, daß sie vergessene, zum Teil gar nicht mehr lesbare Werke ausgraben, bearbeiten und so wieder aufführbar machen.