Von Reiner Luyken

In Deutschland stirbt der Wald – in Großbritannien richtet die Aufforstung die baumlosen Hügel zugrunde.

Das jedenfalls behaupten die Naturschützer. Sie eifern mit dem gleichen Gefühlsüberschwang gegen den Wald, mit dem die Grünen in Deutschland für die Bäume Partei ergreifen. Sie sprechen von den "Verheerungen der Fichten- und Kiefernplage".

Eine vom World Wildlife Fund finanzierte Studie über die Aufforstung Schottlands behauptet, die eingeborenen Tierarten verlören ihren Lebensraum und der natürliche Bewuchs des Hochlandes würde durch eine "fremde, unnatürliche Vegetation" ersetzt: "Das atemberaubende Tempo, in dem die Landschaft sich verändert, ist geradezu beängstigend."

Auch die Besitzer der schottischen Moorhuhnreviere sorgen sich. Die neuen Forste, so behaupten sie, gefährden das Überleben ihres traditionsreichen Jagdwildes. Vertreter der Touristik fürchten, die neugeschaffenen Waldungen zerstören die einzigartige Szenerie Schottlands. "Wer will noch in Schottland Urlaub machen", malt Iain Richardson aus Laggan ein apokalyptisches Bild an die Wand, "wenn jede Straße nur noch durch einen dunklen Tunnel aus Fichtenholz führt?"

Tatsächlich bieten weite Flächen Schottlands heute das Bild einer unwirklich abstrakten Kunstlandschaft. Schwere Raupenschlepper pflügen die Hügel in dem niederschlagsreichen Hochland um. Das Regenwasser kann in den tiefen Furchen ablaufen. Die zarten Wurzeln finden in dem aufgeworfenen Erdreich besseren Halt.

Großbritannien besitzt die idealen Voraussetzungen für eine blühende Forstwirtschaft.