Zöllners Alptraum

Ägyptens Wirtschaftsmisere hat die Bürokratie des Landes zu wundersamem Einfallsreichtum beflügelt. Von der Regierung vergattert, den Abfluß kostbarer Devisen zu drosseln und die heimische Industrie gegen fremde Konkurrenz zu schützen, hat sie ein umfassendes Regelwerk ersonnen, mit dem sie das Land gegen unerwünschte Importe abschotten will. Das verblüffende Resultat von 15 Monaten Fleißarbeit liegt seit kurzem als „Dekret 333“ des Wirtschaftsministeriums vor. Um die 99 Kapitel des Wälzers zu studieren, spotten ausländische Geschäftsleute, brauchten ägyptische Zöllner mindestens 99 Jahre. Verboten ist unter anderem die Einfuhr von gefrorenen Aquariumsfischen, von Nebelsignalen für die Eisenbahn, rollenden Postämtern und mechanischen Singvögeln. Wer sich nicht darauf verlassen will, daß die Zollbeamten die ausgeklügelten Vorschriften ohnehin nicht kennen, greift zum bewährten Schmiermittel: Beim Bakschisch fallen die Zollschranken so schnell wie eh und je.

Platzmangel

Als die Schweizer Frauen 1971 das Wahlrecht auf Bundesebene nach langen Kämpfen erhielten, lehnten die konservativen Männer von Appenzell eine entsprechende Auflockerung alter Sitten für ihren kleinen Kanton ab – eine seitdem mehrmals bestätigte Entscheidung. Doch heute würden die Appenzeller bei einer neuerlichen Abstimmung auf ihr Privileg verzichten, wie Meinungsforscher im Auftrag der Regierung des Kantons ermittelten. Nur 43 Prozent der Befragten möchten bei Wahlen und Abstimmungen ihre Frauen weiter zu Hause lassen. Als Grund nennt auch diese Minderheit nicht mehr alte Vorurteile, sondern ein praktisches Problem: Die Appenzeller praktizieren direkte Demokratie und wählen ihre Oberen in der Landgemeinde, der Versammlung aller erwachsenen Männer, auf dem Marktplatz des Städtchens Trogen. Dieser Marktplatz wäre einfach zu klein, wenn die Appenzellerinnen ihre Männer in die Politik begleiten würden.

Schöne Aussichten

Flache Backenknochen, ein eckiger Kiefer und rund wirkende Augen machen einen Politiker beim amerikanischen Wählervolk sympathisch. Solche Merkmale sorgen dafür, daß ein Kandidat fünf bis zehn Prozent mehr Stimmen erhält als ein weniger hübscher Mitbewerber – bei ansonsten gleicher Ausgangslage, versteht sich. Das hat Shawn Rosenberg herausgefunden, ein Professor für Politikwissenschaft und Psychologie in Kalifornien. Die Werbeleute werden nach den Ergebnissen seiner Studie die Politiker anders präsentieren als vorher, meint Rosenberg. Über eine weitere Konsequenz schweigt er sich aus: die Wahrscheinlichkeit, daß demnächst rundäugige, flachknochige Amerikaner mit eckigem Kinn in den Spiegel schauen und dann beschließen, Politiker zu werden.

Arme Japaner

Von außen betrachtet ist Japan ein beneidenswertes reiches Land. Viele Japaner haben nichts davon oder glauben jedenfalls, daß es ihnen im Vergleich mit den Menschen in anderen Industriestaaten schlecht geht, schreibt die japanische Behörde für Wirtschaftsplanung in ihrem neuen Jahresbericht. Die Japaner geben Jahr für Jahr weniger für Konsumgüter aus, vor allem, weil das Wohnen in Japan immer teurer wird. Die Bodenpreise in manchen Gegenden Tokios haben sich in einem Jahr fast verdoppelt; im Durchschnitt sind Grundstückspreise etwa zehnmal höher als in westeuropäischen Ländern. Der Korrespondent der Londoner Times in Tokio erwähnt als Beispiel sein eigenes Haus („zugegeben: in einem der schöneren Stadtteile“), dessen Grund und Boden allein heute umgerechnet viereinhalb Millionen Mark wert ist.