Welche Hand darf zum Essen greifen? Welche Rolle spielt die Reihenfolge des Servierens? Auch in Indonesien und Indien, in Samoa oder Fidschi sind Kenntnisse der landestypischen Eßrituale von Nutzen.

Wenn auch durch lange holländische Kolonialzeit Gabel und Löffel in Indonesien allgemein verbreitete Eßwerkzeuge geworden sind, so hat man auf dem Lande doch noch weitgehend die Gewohnheit, mit der Hand von Tellern oder Bananenblättern zu essen. Europäern werden allerdings in der Regel Teller und Bestecke gereicht.

Während des Essens bleibt die Hausfrau meist im Hintergrund, sein trägt das Personal auf, jeder bedient sich selbst. Vorsicht allerdings beim Zugreifen: Da 90 Prozent aller Indonesier Moslems sind, für die die linke Hand als unrein gilt, sollte ein Europäer es vermeiden, diese beim Essen zu benutzen. Wenigstens so lange, bis man sich davon überzeugt hat, daß sich die Gastgeber selbst nicht an diese Vorschrift halten.

Ein Europäer, der abseits der Touristenströme bei einer Familie zu Gast ist, dem kann es passieren, daß ihm separat serviert wird (zur Fastenzeit ohnehin üblich). Dann speist er bei einer besonders höflichen – und nicht etwa ungalanten – Familie.

Auch in Indien, wo sich über 80 Prozent der Bevölkerung zum Hinduismus bekennen, darf die linke Hand nicht mit dem Essen in Berührung kommen. Zu den Ritualen vor dem Essen gehört hier das Händewaschen – gleich, ob man im Restaurant oder im privaten Kreis speist. Gebetet wird vor Tisch nur noch selten, so zum Beispiel in Brahmanenfamilien.

Besonders in Südindien auf dem Lande ersetzen Bananenblätter die Teller. Man nimmt sich von ihnen den Reis, formt mit der Hand eine Mulde und gibt dort das Curry-Gericht hinein. „Curry“ ist in Indien nicht etwa die Gewürzmischung, sondern ein Ragout jeder Art. Gespeist wird dann so: Mit der rechten Hand knetet man sich Reiskügelchen, zieht sie durch die Flüssigkeit und ißt so Happen für Happen. Zum Schluß darf die Hand abgeleckt werden, doch gibt es immer auch eine Waschgelegenheit.

Eine große Rolle spielt die Reihenfolge des Servierens in Indien. Bei den südindischen und ceylonesischer Tamilen feiert man jährlich ein Fruchtbarkeitsfest, dessen Besonderheit darin besteht, daß den Frauen zuerst serviert wird. Bei Hochzeiten beispielsweise ist es üblich, Kühe, Büffel und Krähen zu füttern, noch bevor den Menschen das Essen gereicht wird. Die Sitte soll aus einer Zeit stammmen, in der zuweilen noch Giftmischer ihr Unwesen trieben. Bei den Hochzeiten auf dem Lande freilich sind die Tiere ohnehin mit einbezogen, da die Religion eine vollendete Harmonie zwischen Mensch und Tier verlangt.