Amerika und Japan haben einen Währungspakt geschlossen. Die Europäer sind nicht dabei.

Die Bundesregierung wertet das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan zur Stabilisierung des Wechselkurses von Dollar und Yen als einen positiven Beitrag zur Verbesserung der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Sie werde prüfen, ob die vereinbarte Kooperation in währungs- und wirtschaftspolitischen Fragen auch auf die Bundesrepublik ausgedehnt werden kann. So etwa hätte Gerhard Stoltenberg den Ende der vergangenen Woche verkündeten Währungspakt kommentieren müssen, aber kein Wort kam dazu aus dem Bonner Finanzministerium.

Das könnte sich bitter rächen, denn was der amerikanische Finanzminister James Baker und sein japanischer Kollege Kiichi Miyazawa in einer gemeinsamen Erklärung verkündeten, könnte der Anfang einer bedrohlichen Entwicklung für die Bundesrepublik, sogar für ganz Europa sein. Die beiden Finanzminister haben nämlich beschlossen, in wichtigen währungs- und wirtschaftspolitischen Fragen gemeinsame Sache zu machen: Am Devisenmarkt soll der Wechselkurs zwischen Dollar und Yen in einer Spanne von 150 bis 170 Yen für einen Dollar gehalten werden, beide Staaten wollen das Wirtschaftswachstum in ihren Ländern in Schwung bringen und für einen Abbau der außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte sorgen.

Von solchen Erklärungen der Politiker mag mancher nicht viel halten, weil er sie doch nur für unverbindliches Gerede hält. Doch dieser Fall liegt anders. Erst ein halbes Jahr ist es her, da war Japan in den Augender amerikanischen Politiker der wirtschaftliche Buhmann Nummer eins, und jetzt kommt es zum Schulterschluß zwischen den beiden mächtigsten Industrienationen der Welt.

Wenn zwei Starke sich verbünden, dann kann der dritte Starke nur verlieren, lautet eine Botschaft des diesjährigen Nobelpreisträgers für Wirtschaft, James Buchanan. Genau das ist der Punkt, über den die Bundesregierung und die Politiker in der Europäischen Gemeinschaft nachdenken müssen. Sie laufen Gefahr, ins Abseits zu geraten.

Wer trägt denn die Last, wenn diese beiden Staaten sich beispielsweise darauf einigen, ihre Volkswirtschaften mit forcierten Zinssenkungen und Konjunkturprogrammen auf Trab zu bringen? Der Rest der Welt, allen voran die Industrienationen in Europa. Wer weiß in Europa, ob es bei den heute bekannten Abmachungen zwischen beiden Ländern bleiben wird, ob nicht demnächst eine noch viel engere wirtschaftliche Kooperation vereinbart wird? Da die europäischen Regierungen bei diesen Verhandlungen nicht mit am Tisch sitzen, ist auch diese Antwort eindeutig.

Die im Herbst 1985 mildem sogenannten New Yorker Plaza-Treffen so hoffnungsvoll gestartete Offensive für eine bessere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen allen großen westlichen Industrienationen droht für die europäischen Staaten in einer Sackgasse zu enden.

Die hartnäckige Weigerung von Gerhard Stoltenberg und Bundesbankpräsident Karl-Otto Pöhl, den Amerikanern nicht mit geld- und finanzpolitischen Maßnahmen entgegenzukommen, kann ökonomisch gut begründet werden. Die starre Haltung der Deutschen ist aber längst nicht mehr nur eine Frage der Ökonomie, sie muß unter politischen Aspekten gesehen werden. Und da stehen wir jetzt im Regen. Eine pazifische Allianz gegen Europa können wir uns nicht leisten. Europa gehört an den Verhandlungstisch, auch wenn man dafür Abstriche bei der Ökonomie machen muß. Bernhard Blohm