Vor sechs Jahren erschien in der Süddeutschen Zeitung einer der großen Essays aus seiner Feder: Hans Maier über Thomas Morus, den Kanzler Heinrichs VIII. Schon damals konnte man diesen Aufsatz über den Humanisten im Widerstreit mit dem selbstherrlichen König als subtile Selbstinterpretation lesen: Der Kultusminister, im Zeichen von „Religion, Wissenschaft und Politik“ lebend, im Dienst von, im Ringen mit Franz Josef Strauß, dem Machtpolitiker.

Nach sechzehn Jahren im Münchner Ministerium am Salvatorplatz ist Maier bei der Kabinettsumbildung nach den Bayern-Wahlen zum Rücktritt gedrängt worden. Jetzt lohnt es sich erst recht, den Essay über Thomas Morus nachzulesen. Der dienstälteste Kultusminister der Republik, dem selbst die Gegner nicht den Respekt versagen konnten, hat sich in der Politik, vor allem unter Strauß, auf ein großes, ein riskantes Spiel eingelassen. Wohl hat auch er – wie Morus – die fragwürdigen, die bösen Seiten, seines politischen Herrn in aller Schärfe erkannt, unter seinen Züchtigungen gelitten, und doch wollte er ihm im Kampf gewachsen, vielleicht sogar überlegen sein, moralisch zumindest: „Klingt nicht selbst bei Morus unter allen Enttäuschungen und Bitterkeiten bis zuletzt ein Ton der Dienstbereitschaft gegenüber diesem König an, in dessen Dienst zu stehen ihm Schicksal und Verhängnis werden sollte?“

Thomas Morus wurde geköpft, weil er seinen. Herrn nicht gefügig war. Hans Maier sollte politisch um einen Kopf kürzer gemacht werden: Teilung des Ministeriums. Dem hat er sich verweigert. Über die Motive von Strauß läßt sich nur spekulieren. Wollte er, der den Politikwissenschaftler, den Publizisten, den Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, im Kabinett wohl dominieren konnte, diesen feinsinnigen Dickschädel einem schwächeren Nachfolger beizeiten aus dem Wege räumen? Maier hat Strauß, Strauß hat Maier wohl auch deshalb lange, über alle „Enttäuschungen und Bitterkeiten“ ertragen, weil die CSU für ein noch größeres Spiel einen guten Kandidaten hätte brauchen können. Aber nun ist das Amt des Bundespräsidenten erst einmal vergeben. Das Spiel ist aus. Ob es für den Enttäuschten neue politische Chancen geben kann, bleibt offen. Aber der konservative Intellektuelle, der Essayist Hans Maier wird weiter von sich hören lassen. R. L.