Freiburg

Von weitem ist nur ein mit Wiesenblumen bewachsener Erdbuckel zu sehen, bei näherem Hinsehen fällt eine kleine Glaspyramide in der Mitte der abgeplatteten Kuppe auf. Erst, wenn man um das Ding herumgeht, kommen eine Lehmwand, ein Eingang, schließlich noch ein angrenzender Teich zum Vorschein. Eine Erdhöhle aus der Steinzeit? Keineswegs – das ungewöhnliche Gebäude steht auf dem Gelände der Landesgartenschau in Freiburg, es ist das „Naturhaus“ des Bundes für Natur- und Umweltschutz Deutschland (BUND). Errichtet in einer Mischung aus alten Bauweisen und moderner Technik, diente es während der mittlerweile beendeten Gartenschau als Demonstrationsobjekt. Wenn die Zäune ringsum fallen und das gesamte Gelände in einen Park der Stadt verwandelt wird, behält der BUND sein Haus für Tagungen.

Der BUND auf einer Gartenschau? Hieß es nicht früher, eine Gartenschau sei doch nur Show, habe doch nichts mit Naturschutz im Alltag zu tun, da würden Besucher nur als passive Konsumenten hindurchgeschleust? Mit solchen Argumenten war der BUND bislang ähnlichen Veranstaltungen ferngeblieben. Dieses Jahr in Freiburg ist er groß eingestiegen, mit einer ganzen „Ökostation dabei.

Auch diesmal gab es scharfe interne Diskussionen, ob es richtig sei, mitzumachen – Diskussionen, die andauern. „Die wollen uns doch nur vereinnahmen, wir dienen als Alibi“, sagen die Kritiker. Und: „Wenn wir hier die Öko-Show abziehen, sind wir auch nicht besser als die mit ihrer Garten-Show.“

Die Befürworter hielten dagegen: „Wir müssen endlich mal über die kleine Gruppe von Leuten, die wir sonst erreichen, hinauskommen und den Leuten glaubhaft zeigen, wie man Umweltschutz mit einfachen Mitteln praktisch macht.“ Haben sich nun „Realos“ gegen „Fundis“ durchgesetzt? Projektleiter Pius Kopp hört diese Begriffe, was den BUND betrifft, nicht gern, aber er gesteht zu, „daß manche über ihren Schatten springen mußten“ – „übrigens auch bei der Stadt“ fügt er gleich hinzu.

Die Stadt Freiburg hat die Öko-Station mit 300 000 Mark unterstützt; Firmen spendeten Material oder gaben Preisnachlässe; der BUND steuerte viel Eigenarbeit, Spenden und eine eben erhaltene Erbschaft bei; doch anschließend, schätzt Kopp, bleiben immer noch 100 000 Mark Schulden hängen. Das Haus gab bei den Verhandlungen mit der Stadt den Ausschlag. „Es muß etwas stehenbleiben“, hatte der BUND zur Bedingung gemacht.

Das Naturhaus soll kein Vorbild sein zum Nachbauen, sondern eine Ansammlung vieler Ideen. Die Wände sind aus Lehm oder Lehmgemisch. Altbau-Material wurde wiederverwertet. Diagonalgeschichtete Baumstämme bilden das Kuppeldach. Über einer Plastikfolie, die das Sickerwasser auffängt – es dient zur Toilettenspülung – ist darauf eine Erdschicht aufgebracht. Sie isoliert und bietet Platz für Pflanzen; so wurde der Natur mehr Fläche zurückgegeben, als ihr für den Bau genommen wurde.