La Paz, im Oktober

Mit einem surrenden Geräusch schloß sich die Heckklappe des amerikanischen Herkules-Transportflugzeugs. Im Innern der Maschine gurteten sich 56 Soldaten in den Sitzen fest und koppelten ihre M-16-Gewehre an die Haltevorrichtung. Langsam schob sich die Propellermaschine auf die Flugpiste des bolivianischen Dschungelstädtchens Trinidad und startete zum Flug in die Heimat.

Zur selben Zeit, gegen Abend des 25. Oktober, hob ein amerikanischer Düsenfrachter vom Typ C-5A „Galaxy“ vom neubetonierten Flughafen von Santa Cruz ab. Er war mit drei „Black-Hawk“-Hubschraubern der US-Armee beladen und nahm Kurs auf den amerikanischen Truppenstützpunkt in Panama.

Das erste Kontingent der Kokain-Interventionstruppen der Vereinigten Staaten zog unverrichteter Dinge wieder aus Bolivien ab. Die verbliebenen Mannschaften sollen am 15. November folgen.

Die gleichen Maschinen hatten drei Monate zuvor, am 14. Juli, 160 Soldaten der 193. US-Infanteriebrigade zur Operation „Hochofen“ in den unwegsamen bolivianischen Dschungel transportiert. Unter Befehl des vietnamerfahrenen Generals James Taylor sollten die GIs die bolivianische Kokain-Mafia ausräuchern. 50 Kokain-Laboratorien in der unzugänglichen Savanne der nordöstlichen Provinz Bern standen auf der Abschußliste der ersten amerikanischen Militäraktion gegen den „Narko-Terrorismus“ im Ausland.

Nach neunzig Tagen Kleinkrieg war die Ausbeute dürftig. Stolz verwiesen die Fahnder zwar auf die Entdeckung von 23 geheimen Flugfeldern der Drogenhändler. In diesem Gebiet vermutet man allerdings über 1000 Startpisten für Kleinflugzeuge, die Kokain an Bord haben. Weiter wurden sieben Tonnen Koka-Paste sichergestellt; in Bolivien werden jedoch pro Jahr 1600 Tonnen Paste erzeugt. Im amerikanisch-bolivianischen Blitzkrieg gegen das weiße Gift ist kein einziges Gramm destillierten Kokains, wie es der Endverbraucher konsumiert, erbeutet worden. Nicht ein einziger Kokainhändler ging den Amerikanern ins Netz.

Die Operation „Hochofen“, als Überraschungsangriff gegen den Kokainhandel geplant, war von Beginn an ein Fehlschlag. Noch bevor die amerikanische Luftarmada in Santa Cruz gelandet war, überschwemmten Techniker und Reporter der großen amerikanischen Fernsehanstalten, Journalisten und Photographen von Tageszeitungen und Nachrichtenmagazinen die Kokain-Provinz Beni. Die Wahlkampfstrategen im Weißen Haus versprachen sich von dem Medienereignis Stimmengewinne. Den Drogenpolizisten hingegen wurde die Propaganda zum Verhängnis. In Windeseile hatte sich die Kunde von der amerikanischen Invasion bis in die entlegensten Kokainverstecke verbreitet.