"Der Untergang des amerikanischen Imperiums" von Denys Arcand

Fünf Männer, vier Frauen und ein Thema: Sex. Während die Männer in einem Wochenendhaus an einem idyllischen See auf die Ankunft der Frauen warten, reden sie über ihre Ehen, ihre Abenteuer und ihre Potenz. Die Frauen arbeiten sich derweil im Fitnesscenter ab und tauschen sich über die parallelen Probleme aus. Als sie endlich zusammen sind, wird brav übers Essen, die Weltlage und ein Buch Dominiques diskutiert. Darin stellt sie die Behauptung auf, daß das Streben nach persönlichem Glück mit dem Niedergang der amerikanischen Hemisphäre zusammenhänge. Dominique ist es auch, die den Konsens durchbricht und die Männer bloßstellt. Die Idee, einen Film über Sex fast ausschließlich als Darüberreden zu inszenieren, ist ebenso genial wie der Titel hochstaplerisch. Man kapiert zwar, daß dieser Untergang irgendwie damit zusammenhängt, daß alle Personen an der historischen Fakultät beschäftigt sind oder wenigstens zum Anhang der Dozenten gehören, aber wozu es diese dröhnende Dekadenztheorie braucht, wird nicht so recht klar. Der kanadische Film wendet sich an all jene, denen das Reden über Beziehungen schon immer wichtiger war als diese selbst. Wenn die Sonne der Kultur untergeht, sagt Karl Kraus, werfen auch Zwerge lange Schatten. Willi Winkler

"Brief an Breschnev" von Chris Bernard

Ein Märchen, in jener Stadt angesiedelt, die nicht durch Schönheit oder Glanz berühmt wurde, sondern durch die Beatles. Gemeint ist Liverpool. Aus einem Vorort machen sich zwei junge Mädchen auf, um das Nachtleben kennenzulernen. Nach einer kleinen Gaunerei, einer turbulenten Verfolgungsjagd landen die beiden in den Armen zweier Matrosen, die aus der fernen Sowjetunion kommen. Während Teresa und ihr russischer Lover nichts als Sex im Kopf haben, verlieben sich Elaine und ihr Matrose und schwören sich, als das Schiff am nächsten Tag wieder ablegt, ewige Treue.

Der britische Nachwuchsregisseur Chris Bernard hat ein gänzlich unbefangenes Verhältnis zu seiner Geschichte – eine Traumsequenz, in der Elaine sich mit dem Matrosen zusammensieht, ist fast peinlich –, und der Film malt die Romanze bis zu einem glücklichen Ende konsequent aus. Ein Bittbrief Elaines an Breschnev wird tatsächlich beantwortet, und da steht sie dann am Flughafen, Elaine aus Liverpool, um gegen die Bedenken ihrer Umwelt in das sozialistische Land zu reisen. Ein unterhaltsamer kleiner Film, der trotz aller Märchenhaftigkeit das Hafenmilieu und den Kleinbürgermief der englischen Provinz, auch die Hoffnungslosigkeit der Jugendlichen realistisch einfängt. Anne Frederiksen

"Zoff in Beverly Hills" von Paul Mazursky

Ein Penner in Beverly Hills. Aber was für ein Penner: Je nach Bedarf kann er virtuos Debussy klimpern, politischen Aufklärungsunterricht geben und sexuell befriedigen. Jerry, nicht sehr überzeugend gespielt von Nick Nolte, dem geschniegelten Muskelmann, ist ein Chamäleon. Den Bewohnern des Hauses Whiteman, in dessen weiß-rosa Luxus die Kamera schwelgt, zeigt er, was sie brauchen. Und bedürftig sind sie alle, die Superreichen dieser sehr sanften Satire. Außerdem bestätigt Regisseur Mazursky mit diesem alten Märchen in neuer Verkleidung, daß nirgends die Neurosen so prächtig blühen wie unter der kalifornischen Sonne. Selbst der sensible Hund Matisse muß in psychiatrische Behandlung. Die US-Kritik krönte den vierbeinigen Darsteller gleich zum oscarverdächtigen Superstar. Susanne Kippenberger