Zum Präsidenten der Republik Österreich, Kurt Waldheim, fällt einem nichts Gutes mehr ein – nach allem, was vor und während seines Wahlkampfes über seine Vergangenheit während des Dritten Reiches Stück für Stück ans Licht gekommen ist. Vor allem aber: nach allem, was er erst mit dem Brustton der Überzeugung geleugnet, dann aber notgedrungen doch zugeben mußte. Es ist inzwischen ein ansehnliches Sündenregister.

War Waldheim Mitglied in einer NS-Organisation? Nie gewesen, sagte er erst. Dann: doch, im NS-Reiterkorps.

War Waldheim damals als Ordonnanzoffizier in Saloniki, als die Juden in die Vernichtungslager abtransportiert wurden? In jener Zeit war ich nicht in Griechenland gewesen, behauptete er zuerst. Aber dann: Doch, ich war damals in Saloniki!

Mußte Waldheim zu jener Zeit über Judendeportationen Bescheid gewußt haben? Nein, niemals, redete er sich heraus. Doch bald darauf: Ich habe es gewußt!

Und nun hat ihn – vorläufig letzter Akt im Trauerspiel – ein ehemaliger jugoslawischer Geheimdienstagent, der nach 1945 in Wien den Fall Waldheim bearbeitet hatte, wieder ertappt. Der Bundespräsident war während der berüchtigten Massenexekutionen angeblicher jugoslawischer Partisanen im Sommer 1942 im bosnischen Kozara, wofür er von der kroatischen Marionettenregierung wegen „Tapferkeit“ sogar ausgezeichnet worden war. Zuvor hatte Waldheim, wie üblich, schlankweg behauptet: Das ist ein Irrtum. Nun mußte er zugeben: Ich war doch da gewesen!

Natürlich ist Kurt Waldheim in jener Schreckenszeit anständig geblieben. Er hat niemanden umgebracht, an keiner Gewalttat teilgenommen. Aber ist er auch ein anständiger Bundespräsident? Gelogen hat er auf jeden Fall. Er wollte, sagte er nach den ersten Enthüllungen, niemanden mit seiner Vergangenheit langweilen. Glückliches Österreich, das sich von seinem höchsten Repräsentanten derart hinters Licht führen läßt?

D. St.