Das war’s. Vielen von uns sind schon Äpfel auf den Kopf gefallen, aber nur Newton, indem er sich die Stelle rieb und hinaufschaute, leitete daraus das Gesetz der Schwerkraft ab. Genauso müssen viele Briefschreiber die Besonderheit des Internationalen Antwortscheins bemerkt haben, aber nur Charles Ponzi sah an jenem August-Tag im Jahre 1919 die Möglichkeit riesiger Profite – betrügerischer natürlich.

Warum konnte man nicht in die Postämter eines ahnungslosen Landes marschieren, dessen Währung zusammengebrochen war, und Stöße, ja Ballen von diesen Antwortscheinen für fast nichts erwerben und sie dann zum Einlösen in einem Land mit starker Währung präsentieren und auf diese Weise einen sofortigen enormen Profit in Briefmarken erzielen? Danach brauchte man nur die Briefmarken, vielleicht mit einem kleinen Rabatt, en gros an Firmen zu verkaufen. Die Sache war eine Goldgrube!

Der erste Schritt war, eine Firma zu gründen, eine tadellose, solide Firma. Ein tadelloser, solider Name bot sich an: The Securities and Exchange Company. Dann erfahrene und zuverlässige Direktoren und Angestellte einstellen. Als Präsident und praktisch die gesamte Belegschaft – wer würde sich da besser eignen als Charles Ponzi selber? Ein großartiger Start.

Das Geschäft, das die Securities and Exchange Company (S.E.C) anbot, war unwiderstehlich. Man übergab ihr sein Geld, die S.E.C. vollbrachte ihre Wunder mit den Antwortscheinen, und nach 90 Tagen bekam man seinen ursprünglichen Einsatz plus einen Gewinn von 40 Prozent. Sehr günstig – besonders im Vergleich mit der üblichen Verzinsung von etwa fünf Prozent pro anno.

Der Prospekt der S.E.C. zirkulierte in Boston Anfang 1920, und Anleger begannen von hier und da hereinzutröpfeln in der Art, wie einige wenige Möwen und dann immer mehr erscheinen, wenn man Abfälle ins Wasser wirft. Die ersten Anleger trugen keine schwarzen Anzüge mit fülligen Westen an goldenen Uhrketten verankert; da die meisten von ihnen aus Bostons nördlichen Stadtteilen kamen, handelte es sich bei ihnen um dieselben einfachen Einwanderer, die Ponzi kannte und schon früher geprellt hatte. Eine Anzahl Polizisten, recht schlichte Gemüter in Finanzfragen, trugen sich als Kunden ein.

Das sprach sich bald herum, und der Zustrom von Bargeld nahm zu. Im Februar wurde ein reißender Strom daraus, als S.E.C. seine Verzinsung für 90-Tage-Schuldscheine auf hundert Prozent anhob und einen 50prozentigen Gewinn für Schuldscheine mit einer Laufdauer von 45 Tagen offerierte. Jetzt strömte das Geld so schnell herein, daß Präsident Ponzi kaum wußte, was er mit all dem Geld machen sollte. Sechs Buchhalter stapelten Haufen von Banknoten in und auf Schränken, bis sie an die Decke reichten. Papierkörbe wurden als Behältnisse für Dollarnoten verwandt. Ein zweites Büro wurde eröffnet und wurde schon bald von Geld überflutet wie das erste. Schlangen von Menschen, die darauf warteten, ihre Ersparnisse gegen Schuldverschreibungen der S.E.C. einzutauschen, füllten die Straße. Ab und zu konnten sie einen flüchtigen Blick auf den Midas selber werfen, wie er in seinem cremefarbenen Automobil mit einem japanischen Chauffeur vorfuhr. Ponzi – alle fünf Fuß und drei Inches von ihm – wurde zu einer Vision der Opulenz in seiner schmucken Kleidung, die durch einen Malacvervollständigt und eine goldene Zigarrettenspitze vervollständigt wurde.

Nur ein Köder