Von Petra Kipphoff

Eine Ausstellung in der Düsseldorfer Kunsthalle mit dem Titel „James Lee Byars – der Palast der Philosophie“.

Eine. Ausstellung im Münchner Kunstverein mit dem Titel „Gerhard Merz – Dove sta memoria (wo ist Erinnerung)“.

Eine Ausstellung in der Stuttgarter Neuen Staatsgalerie mit dem Titel „Giulio Paolini – Das Atelier – Der Ort – Das Museum – Die Vision“.

Drei Ausstellungen, mit denen jeweils das ganze Haus belegt war und die dennoch nicht als Retrospektive oder Ausschnitt aus dem Werk annonciert wurden. Zu Recht: denn jedesmal wurde, versehen mit einem phantastischen Etikett, mehr und weniger geboten als eine Ausstellung, jedesmal trat der Künstler nicht als Gast auf, sondern als neuer Mieter im Haus, jedesmal war er nicht der Lieferant von Kunstwerken, sondern der Inszenator des eigenen Werkes, jedesmal gab es für das Publikum zwar etwas zu betrachten, aber viel eher noch etwas zu erleben: Theater bei Tageslicht, Kunst als Rauminszenierung. Dazu paßt, daß ein prunkvoller, teurer Katalog zur Ausstellung von Byars („schwerer Ganzleinenband mit Goldprägung ... roter Farbschnitt am Kopf des Buchs ... Bildtafeln auf 150 Seiten holzfrei elfenbein spezialmatt Kunstdruck“), der die Aufführungserfahrung sammelt, erst post festum erscheinen wird. Und dazu gehört auch, daß ein mehr oder minder großer Teil dieser Arbeiten mit dem Ende der Ausstellung verschwindet, vernichtet werden muß. Das pompejanische Rot (geliefert von den Werkstätten der Rheinoper), in das Byars die Düsseldorfer Kunsthalle tauchte, das Türkis und der Rostton des caput mortuum, mit dem Merz den Münchner Kunstverein ausmalen ließ, die punktuelle, gezielte Veränderung der Stuttgarter Staatsgalerie zum inszenierten Raum: alles dieses hört mit Ausstellungsende auf. Nur die Requisiten bleiben (die keiner dieser Künstler bisher Requisiten genannt hat). Und natürlich die Hauptdarsteller.

„Inszenierte Räume“ hieß eine schöne, außergewöhnliche Ausstellung, die 1979 im Hamburger Kunstverein zu sehen war. Der ganze Kunstverein war umgebaut, verwandelt: in Guckkasten-Räume von Erich Wonder, dem vorwiegend in Frankfurt tätigen Bühnenbildner, der, so sagt er es selber, „Zustandssräume“ und „Rätselbilder“ schafft, irtätigen angesiedelt zwischen Traum, Kino und Environment; und Räume von Karl-Ernst Herrmann, dem Bühnenbildner der Berliner Schaubühne, der, vom „Prinzen von Karl-Ernst über „Sommergäste“ und „Groß und Klein“ bis hin zu „Man spielt nicht mit der Liebe“ wunderbare Zimmer und Landschaften geschaffen hat, die in ihrer leicht übersteigerten Realität das kongeniale Tableau waren und sind für die hoch artifiziellen Künste einer Jutta Lampe oder Edith Clever, eines Otto Sander oder Bruno Ganz.

Zwischen Kunst und Theater