Sie stehen morgens mit blendender Laune auf, stellen noch im Halbschlaf die Kaffeemaschine an, warten unter der Dusche auf den Schock des ersten eiskalten Nasses, der Sie aus den Träumen der Nacht in die Wirklichkeit zurückholt. Die kann manchmal brutal sein.

An meiner Tür klingelte ein Polizist. Er blickte ein wenig traurig aus dem grünen Dienstanzug, denn er hatte wohl den Rollstuhl neben der Tür bemerkt. Der aber gehört nicht mir, sondern meiner Nachbarin, obwohl auch ich gehbehindert und auf Unterarmstützen angewiesen bin.

Der Polizist teilte mir mit, Nachbarn hätten das „Skelett“ meines Wagens entdeckt und daraufhin die Polizei gerufen. Wenn ich mich angezogen hätte, sollte ich doch bitte in die Garage kommen, um den Schaden festzustellen.

Es war an einem Freitag, dem dreizehnten, und ich war erschüttert, fühlte mich auf einmal sehr hilflos. Das liegt wohl daran, daß mir mein Auto, mein „Schneeweißchen“, seit sechs Jahren meine Beine ersetzt. Längere Strecken kann ich nicht mehr zu Fuß zurücklegen.

In der Tiefgarage war mein kleines Auto von Nachbarn umlagert, die auf die Diebe schimpften, die einer Körperbehinderten so etwas antun. Der Wagen stand nur noch auf seinen Achsen, die rechte Tür war brutal aufgebrochen, die Sitze waren verschwunden. Mir war zum Heulen zumute, während die Polizisten alles notierten.

In der Werkstatt fragte ich später, ob ich als körperbehinderter Mensch auch einen für mich geeigneten Leihwagen bekommen könnte. Gewiß, aber das würde etwa tausend Mark kosten für die Woche, die die Reparatur meines Wagens wohl dauern werde. Ob sie dachten, ich als Sozialhilfeempfänger könne die lässig auf den Tisch des Hauses legen? Es war wohl für einen Behinderten schon immer etwas teurer, sich zu besorgen, was er dringend braucht.

Die Versicherung wollte für die Kosten eines Leihwagens nicht aufkommen. Die Sozialbehörde lehnte erst recht ab. Wenn ich Fahrten zur Krankengymnastik und zum Arzt machen müßte, würde das ja von der Krankenkasse übernommen. Auf die Fahrten zur Staatsbibliothek, zu Freunden oder gar zum Einkaufen konnte ich ja locker verzichten...

Den Büchern der Enterbten muß es wohl sehr schlecht gegangen sein, als sie es für nötig hielten, mein kleines Auto so zuzurichten. Obwohl doch zwei große Ausweise am Wagen darauf hinweisen, daß es einem schwerbehinderten Menschen gehört. Nicole Schulz-Bennewitz