Einem Bonmot zufolge soll es zwei Fachleute geben, die den Zinstrend genau voraussagen können – aber sie sind sich leider nicht einig. Ähnliches gilt auch für Konjunktur, den Dollar und für komplexe Wirtschaftsprognosen. Während jedoch der normale Anleger, Arbeitnehmer oder Konsument eine Meinung zur Konjunkturentwicklung haben kann oder auch nicht, ist die richtige Einschätzung des Zinstrends eine Sache, die fast jeder direkt im Portemonnaie spürt. Da ist manchmal die Entscheidung, ob zum Beispiel eine Hypothek heute oder erst nächstes Jahr aufgenommen werden soll, auch für den eine finanzielle Schicksalsfrage, der sich sonst für Soll und Haben nur am Rande interessiert. Die Jagd nach dem besten Zinssatz bei der Geldanlage ist im Vergleich dazu zwar eher eine Art Hobby, aber wer verdient nicht gern ein paar Mark mehr nebenbei?

Die Suche nach höheren Zinsen ist aber heute nicht mehr ganz so einfach. Viele Anleger haben noch die für sie schönen Jahre 1981 und 1982 im Hinterkopf, als es am Anleihemarkt zweistellige Renditen gab und sogar bei risikolosen Festgeldem mehr als zehn Prozent Zins drin waren. Diese Zeiten jedoch sind lange vorbei. Heute kann sich glücklich preisen, wer für Festgeld bei den Banken vier Prozent herausschlägt.

Etwas mehr gibt’s am Rentenmarkt, aber da ist die leidige Sache mit dem Kursrisiko. Je nach Laufzeit der Anleihe und je nach Schuldner differieren die Renditen derzeit zwischen 5,7 und fast sieben Prozent. Faustregel dabei: Je länger die Restlaufzeit, desto höher die Rendite.

Der Grund: Der Kurs von Anleihen paßt die Rendite immer dem gerade herrschenden Kapitalmarktzins an. Steigen die Zinsen am deutschen Rentenmarkt, dann sinken die Kurse, sinkt die Durchschnittsrendite, klettern die Notierungen. Diese Schwankungen aber sind um so kräftiger, desto länger die Laufzeit der Anleihen ist.

Das ist leicht verständlich, denn bringen die anderen kurzfristigen Anleihen im Schnitt eine bessere Verzinsung, dann muß sich der Kurs eines lang laufenden Papiers stark anpassen, um die jeweilige Rendite über die vielen Jahre anzugleichen. Im anderen Extrem wird sich der Kurs auch bei einem Zinsnachteil zum Gesamtmarkt kaum noch nennenswert verändern, wenn die Anleihe nur noch ein paar Wochen läuft und dann zum Nennwert zurückgezahlt wird.

Sieht man einmal von der Pleite des Schuldners ab, dann besteht das Risiko für den Anleihekäufer nur darin, daß zwischen dem Kauf und der Rückzahlung am Ende der Laufzeit (in der Regel zu hundert Prozent) das allgemeine Zinsniveau viel attraktiver wird als die feste Verzinsung der Obligation und der Kurs des Papiers entsprechend fällt.

Nur wer genau in diesem ungünstigen Moment verkauft oder verkaufen muß, macht einen echten Verlust. Wer auch bei einem Nachgeben der Notierungen hingegen seine Anleihe im Depot liegen läßt, bekommt am Ende den Nennwert ausgezahlt. Sein Nachteil besteht in diesem Fall nur darin, daß er während der Laufzeit des Papiers auf höhere Zinsen verzichten muß.