Zu Schadenfreude ist kein Anlaß. Die Regierung Reagan ist zwar von dem Podest gefallen, das sie sich selbst gezimmert hatte: Ausgerechnet dem Regime des Ayatollah Chomeini im Iran hat Washington klammheimlich Waffen zugesteckt, um auf diese Weise amerikanische Geiseln im Libanon freizubekommen.

Aber kein humaner Staat wird auf den Versuch verzichten, seine Bürger aus Terroristenhand zu befreien, auch wenn er dabei krumme Wege gehen muß – solange er den Terrorismus nicht prämiert. Wer das leugnet, der kann allzuleicht als Heuchler dastehen – wie jetzt der französische Premierminister Chirac, der nach Bekanntwerden der amerikanischen Aktion noch tönte: „Frankreich verhandelt nicht mit Terroristen und Geiselnehmern und wird es auch nicht tun.“ Inzwischen hofft auch Frankreich, daß seine Avancen an Syrien und den Iran den verbliebenen französischen Geiseln im Libanon zur Freiheit verhelfen.

Nicht Schadenfreude und moralische Empörung ist angebracht, aber harte Kritik. Denn Staaten, die der Erpressung – und sei es durch Hofieren der Drahtzieher – nachgeben, laden zu neuen Terrortaten ein. Einige Geiseln mögen freigekauft werden, doch mit dem Risiko, daß sich die Terroristen bald neue greifen. Solche Geschäfte lohnen sich immer nur für die Erpresser. cb.