ARD, ZDF, NDR III, Sonntag, 9. November: Wahlabend in Hamburg.

Heribert Faßbender, die in Ehren ergraute Pythia des deutschen Sportjournalismus, hatte schon kurz nach 18 Uhr, als die Infas-Umfrage noch sträflich weit im Aus lag, den richtigen Riecher: In der Eishockey-Bundesliga bahnt sich für Rosenheim eine Wende an, die zum besseren Tabellenplatz nämlich. Klaus-Peter Thaler kam beim Querfeldeinrennen der Radprofis dennoch bloß auf Rang 17, und nur John McEnroe belegte beim Einladungsturnier in Antwerpen souverän Platz 1. In einem Interview der ARD erzählte er von seinen Vaterfreuden und warum er trotz eines Lockangebotes von einer Million Dollar nicht in Südafrika spielen will. Und spielen kann er noch immer wie ein Irrer.

Aber die Hamburger, o je! Diesmal hätten sie genau gewußt, was sie tun, meinte der mimosige Klaus, er hätte es ihnen doch klar und deutlich gesagt. Trotzdem wollten die Wähler offenbar ein rotgrünes Bündnis, die Undankbaren! Zu schade, daß man sie diesmal nicht mehr nachsitzen lassen kann wie vor vier Jahren.

Mit mehr Erschöpfung als Spannung hatte der Gast-Hamburger dem Wahlabend entgegengelebt, denn die Bayernwahl hatte ihn bereits aller Kräfte beraubt. Es wurde aber auch Zeit, denn der Wahlkampf war alles andere als groß gewesen. Den Hauptspaß lieferte die dicke Oma, die auf den Plakaten die Arme für Klaus hochstemmte und zehn Tage vor der Wahl in Gegenwart der Bildzeitung in die CDU eintrat; gegen diesen Gag wirkten Ingo und Thea doch sehr blaß.

Während Major Hartmut die Journalisten zur Eile antrieb, weil man ihn doch bereits auf dem anderen Kanal erwarte, übte seine Frau schon mal das Lächeln, mit dem Hannelore Kohl die Frau des französischen Premiers Chirac vor dem Oggersheimer Eigenheim an sich gezogen hatte. Klaus trat ohne Frau, dafür aber als beleidigte Leberwurst auf. Immerhin war er soigniert genug, seinen Hamburgern, anders als der bayerische Ministerpräsident und vor ihm der Münchner Oberbürgermeister, nicht das schöne Wetter vorzuhalten, dessentwegen die Bürger nicht zum Wahlen gegangen seien.

Im Dritten bemühten sich ein Herr Möbius und ein grotesker Retorten-Import namens Ramona um Lustigkeit, ein sogenannter Kabarettist quetschte den endgültig allerletzten Witz aus der Neuen Heimat und schließlich trat die Gruppe „Godewind“ auf, bei der am bemerkenswertesten war, daß am Bühnenrand überflüssig zwei Frauen herumstanden. Das mußte der Zeitgeist sein, denn Frauen sind unheimlich angesagt, zumindest in Hamburg. Das war auch Klaus Bresser aufgefallen, der sich mit seiner vertrauten Sandmännchen-Stimme zu der Bemerkung verstieg, die Frauenliste der GAL hätte vielleicht Bedeutung für die ganze Welt.

Als den Sendern nichts mehr einfiel und die nächste Hochrechnung auf sich warten ließ, wurden Kulturfilme eingeblendet, die dem Stadtunkundigen die Spezifika von Finkenwerder und Eimsbüttel nahebringen sollten. Dann stach Fellinis Schiff der Träume in See, und es wurde klar, warum die SPD und die FDP so peinlich falliert hatten: Die Parteioberen und -vorderen genügen den ästhetischen Ansprüchen der Zuschauer nicht mehr. Der professionelle TV-Gucker ist härtere Kost als die windelweichen Brüder vom Rathaus gewöhnt, deshalb der Major, deshalb die putzigen grünen Frauen.

Eigentlich hätte man es schon im Vorfeld ahnen können, denn Domenica hatte sich für die CDU ausgesprochen, weil die mehr für den Kiez tue. Von Hamburg ist mal wieder eine Wende ausgegangen, und wir können sagen, wir haben es nicht gewollt. Willi Winkler