Die Absetzbewegung der Deutschen und der Dresdner Bank bei Hapag-Lloyd geht weiter. Nachdem erst vor wenigen Tagen die Veba einen Anteil von 12,5 Prozent von den mit je vierzig Prozent beteiligten Geldkonzernen übernommen hatte, kaufte sich jetzt die belgische Gevaert-Gruppe mit derselben Quote beim größten deutschen Reederei- und Speditionskonzern ein. Da die Banken zusammen nur noch dreißig Prozent behalten möchten, stehen jetzt noch 25 Prozent für die von Aufsichtsratschef Christoph von der Decken (Dresdner Bank) und seinem Kollegen Eckart von Hooven (Deutsche Bank) propagierte „industrielle Lösung“ zur Verfügung. Die beiden bisher verkauften Aktienpakete brachten die beiden Bankiers buchstäblich im Aufsichtsrat unter: Sowohl Veba-Chef Rudolf von Bennigsen-Foerder, ein guter Golffreund von Hapag-Chef Hans Jacob Kruse, als auch Gevaert-Chef André Leysen gehören der Hapag-Kontrollrunde schon seit Jahren an.

Kasse macht sinnlich – auch manche Unternehmen, wie vor Jahren zum Beispiel das Volkswagenwerk mit seinem nicht gerade wohlüberlegten Engagement bei dem Büromaschinenhersteller Triumph Adler demonstriert hat. Eine Ausnahme ist dagegen der deutsche Elektrokonzern Siemens, den bisher auch eine prallgefüllte Kriegskasse mit nun mehr als zwanzig Milliarden Mark flüssigen Mitteln nicht zu unüberlegten und teuren Firmenaufkäufen hat animieren können. So wurden Gerüchte aus Amerika, daß Siemens sich für einen Einstieg in den amerikanischen Photoriesen Eastman Kodak Company interessiere, in der Konzernzentrale in München unverzüglich und definitiv dementiert.

Siemens ist heute ohnehin schon das universellste Elektro- und Elektronikunternehmen der Welt und will auf keinen Fall noch in andere Branchen hineindiversifizieren. Wenn man sich irgendwo neu engagiert, dann allenfalls um solche Bereiche zu arrondieren, in denen man bereits tätig ist. Vorrang in den USA hatte in jüngster Zeit die Stärkung der Kommunikationstechnik.

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Gerd Schulte-Hillen, Vorstandsmitglied der Bertelsmann AG und in Personalunion Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Tochtergesellschaft Gruner + Jahr, sah sich von seinen Kollegen in die Ecke gestellt. Als in der jüngsten Bertelsmann-Pressekonferenz die Rede auf die unseriösen Methoden kam, mit denen Abonnenten geworben werden, rückten die Bertelsmann-Vorstandsmitglieder Walter Gerstgrasser und Ulrich Wechsler von Schulte-Hillen ab.

Auch sie bekannten sich zum Direktvertrieb, wie das Werben von Kunden an der Haustür genannt wird, lehnten aber die üblichen „Drücker-Methoden“ ab. Wechsler, der als Chef der Buchverlage auch für den Vertrieb der Bertelsmann-Lexika zuständig ist, sprach von 700 bis 800 hochqualifizierten Verkäufern für seine Produkte. Und Lesering-Chef Gerstgrasser setzte noch einen drauf: „Wir distanzieren uns von den unqualifizierten Drückern.“

Das konnte Gerstgrasser freilich nur deshalb so deutlich tun, weil er erst seit Mitte vergangenen Jahres für Lese- und Schallplattenringe zuständig ist. Bis dahin hatten die Berteismänner auch nicht das Bedürfnis verspürt, die Verkaufsmethoden und die Mitarbeiterbehandlung der für sie tätigen Werbekolonnen genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber inzwischen hat sich wohl die Erkenntnis durchgesetzt, daß die Lügengeschichten an der Haustür dem Ansehen des Unternehmens mehr schaden als nutzen. So bedauerte Gerstgrasser denn auch, daß „das Haus Bertelsmann in früheren Jahren von seinem Standing abgewichen ist“, versicherte aber gleichzeitig, für das Buchclub-Geschäft gebe es nun „eine ganz strenge Qualitätskontrolle“.