Stets hat sich das Bundeskartellamt etwas darauf zugute gehalten, schon seine Existenz würde so manchen potentiellen Kartellsünder von seinem unerlaubten Tun abhalten. Die Kartellrichter am Berliner Kammergericht sind nun dabei, den abschreckenden Ruf der Wettbewerbsbehörde zu untergraben.

Vor ihrem Richter sitzen – seit 1984 schon – die Großen der heimischen Bauindustrie. Mit unerlaubten Absprachen von Aufträgen und Preisen hatten sie sich selbst eine einträgliche Beschäftigung verschafft und ihren Auftraggebern einen lehrbuchmäßigen Wettbewerb vorgegaukelt. Achtzig Täter machten die Kartellbeamten dingfest, die sie zu Bußgeldern von zusammen 57 Millionen Mark verdonnerten.

Die große Zahl der kleinen Baufirmen zeigte sich reumütig – und zahlte in aller Stille. Die großen Baumeister ließen es darauf ankommen – und fanden Gnade vor dem Richter. Besondere Milde fanden beispielsweise geständige Täter. Baufirmen, die dafür Ausgleichszahlungen von ihren Konkurrenten kassierten, daß sie einen Auftrag nicht bekamen, durften unbeanstandet den Erlös einstreichen. Es war ja kein Mehrerlös im Sinne des Gesetzes. Dem Bundeskartellamt bleibt da nur der Sarkasmus: Die Branche würde ja gerade dazu ermutigt, auch künftig auf Kartellabsprachen zu bauen. gf