Am 14. Januar 1986 wurde die Low-Intensity Warfare (LIW)-Doktrin offiziell als Amerikas Antwort auf die Bedrohung aus der Dritten Welt aus der Taufe gehoben. Pate standen Außenminister George Shultz und Verteidigungsminister Caspar Weinberger. Im Rahmen eines zweitägigen Kolloquiums im Fort McNair bei Washington erklärten sie auserwählten Zuhörern, wie und warum sich Amerika seit Jahren in einem Konflikt unvorstellbaren Ausmaßes befindet.

Weinberger bekräftigte, daß heute jedes vierte Land in der Welt Krieg führe. Fast immer trage dieser Krieg „eine Maske“, und „in praktisch allen Fällen verbirgt sich hinter dieser Maske die Sowjetunion oder jene, die ihr gehorchen“. Im Endeffekt ergebe dies einen Zustand des „permanenten Krieges“, der aus der Dritten Welt gegen die Vereinigten Staaten von Amerika geführt werde. Darin liege „die unmittelbarste Bedrohung für die Sicherheit der freien Welt bis zum Ende dieses Jahrhunderts“.

Dieser Krieg nimmt die verschiedensten Formen an. In jedem Falle aber erreicht er eine geringere Intensität als etwa ein konventioneller Schlagabtausch zwischen den Armeen zweier Länder: Daher die Bezeichnung Low-Intensity Conflict (LIC). Nach den Worten Weinbergers zählen dazu vor allem Terrorismus, Guerilla und „das, was die Sowjetunion nationale Befreiungskriege nennt“.

Das „Reich des Bösen“ erscheint in dieser Betrachtungsweise permanent als Drahtzieher hinter den Machenschaften „terroristischer Nationen“ wie Nicaragua, Kuba, Iran, Nordkorea und Libyen. „Öffentlich“, so eine Dokumentation des Pentagon, „bestreiten die Sowjets jegliche Verbindung zu internationalen Terrorgruppen oder einzelnen Terrorakten. Allerdings unterstützt die Sowjetunion offen nationale Befreiungskriege und linke Aufständische als integrales Element ihrer Außenpolitik. Die Instruktionen für Guerillakrieg, Sabotage, politische Morde, Terror und Spionage werden in speziellen Ausbildungsanlagen und -lagern nahe Moskau und an Orten entlang der südlichen Grenze der Sowjetunion erteilt.“

In dieser Sicht ist LIC ein politisch-militärisches Problem in einem Dritt-Welt-Staat, das aus politisch-ideologischen Gründen und aus böser Vietnam-Erfahrung heraus nicht durch die massive Entsendung regulärer US-Truppen gelöst werden kann. „Wenn wir unsere Truppen in einem Konflikt von geringer Intensität einsetzen müssen, dann haben wir die strategische Initiative verloren“, betonen die beiden Armee-Majore Donald Morelli und Michael Ferguson.

Amerikas Antwort auf dieses Dilemma ist daher eine verfeinerte, perfektionierte Form der klassischen Counterinsurgency. Wichtiger als die militärische ist jedoch die politische Komponente, der die Philosophie von John F. Kennedys „Allianz für den Fortschritt“ zugrunde liegt. Durch Reformen, wirtschaftlichen Auschwung, „humanitäre Hilfe“ und sonstige materielle Anreize soll die Bevölkerung in Konflikt-Ländern auf die Seite der von Washington unterstützten Regierungen oder Organisationen gebracht werden. Die Zivilisten, nicht die bewaffneten Gruppen, werden zur Zielgruppe aller Anstrengungen erhoben.

Die Notwendigkeit eines neuen strategischen Konzepts war zuerst von Vietnam-Veteranen erfaßt worden. Ihr vielleicht brillantester Vertreter ist Oberst John Waghelstein vom Army War College in Carlisle (Pennsylvania). Lange Zeit hätten sich die amerikanischen Verantwortlichen zu sehr auf eine mögliche „Abwehr der sowjetischen Gefahr in Europa“ konzentriert, meint Waghelstein. „Meiner Ansicht nach hieß das, sich auf den falschen Krieg vorzubereiten.“ In einem Low-Intensity Conflict, so der Oberst weiter, müßten sich die USA an drei Grundregeln halten: nur begrenzter Einsatz militärischer Gewalt, Errichtung einer straffen Kontrolle über die Bevölkerung und Fähigkeit zur Durchführung „antiterroristischer Operationen“.