Wolfgang Amadeus Mozart: „Violinkonzerte“, „Adagio“, „Rondos“.

Itzhak Perlman braucht den Vergleich, ja die Herausforderung mit Henryk Szeryng nicht zu scheuen. Ein anderes Ideal leuchtet in seinem von Schönklang und wohlkalkulierter Sinnlichkeit geprägten Mozart-Spiel auf: eine Kantabilität, die mit blendender artistischer Attitüde aufwartet und durch geradezu formvollendete Differenzierungskünste vergessen macht, wie viel Mühe es ansonsten kostet, eine Musik solcherart zum Leuchten zu bringen. Ein Zauberer, dessen stupendes geigerisches Vermögen auch bei den in nur wenigen Monaten (1775) komponierten Violinkonzerten und Gelegenheits-Piecen künftig Maßstäbe setzt. Anders als der Vorgänger (Szeryng) hat Perlman (bis auf eine Ausnahme) alle Kadenzen selbst konzipiert. Stilgefühl und Geschmack zeigen ihn auch dabei auf voller Höhe. Der Kontakt mit James Levine und den Wiener Philharmonikern ist offenkundig von jener traumwandlerischen Lässigkeit bestimmt, mit der einst Karl Böhm, nicht annähernd so deftig im Klanggestus freilich, das Banner unübertroffener Mozart-Exegese trug. (DG 419 184-2)

Peter Fuhrmann

DAF: „Ist Step to Heaven“

Gabi Delgado und Robert Görl sind als Duo „Deutsch Amerikanische Freundschaft“ (DAF) ihrem zunächst ironisch gemeinten Gruppennamen durchaus gerecht geworden: Sie haben junge teutonische Herrenmenschen-Phantasien nicht ohne hintergründigen Witz mit schwarzer Getto-Elektronik verschmolzen. Der immer wieder in ihren Texten auftauchende blonde Recke bot reichlich Anlaß für frivole Wortspiele mit Tabus der (deutschen) Vergangenheit („Tanz den Mussolini“). Nach längerer Pause probiert DAF nun den Anschluß an die Tüftler der tanzbaren Rockmusik, die inzwischen Minimal Music, Bigband Swing und afro-kubanische Percussion-Effekte in ihre Unterhaltungsklänge eingepaßt haben. Wer da noch mitplündern will, muß schon als sehr stilsicherer Imitator auftreten. Görl und Gabi gelingt dieser Kunstkniff nur streckenweise, dafür aber nicht ohne eine gewisse hypnotisierende Wirkung. Die schwer verständlichen englischen Texte mögen Nonsens sein; aber das Zusammenspiel von Wort und Musik kann durchaus faszinieren als Zauberformel für einen nihilistischen Endzeittanz auf dem Vulkan (Dean/RCA-Ariola 257 435).

Barry Graves