Finanzminister Gerhard Stoltenberg steckt in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite darf er sich über die nun schon seit Monaten anhaltende Stabilität der Preise freuen. Andererseits hat das aber zur Folge, daß die Steuereinnahmen aller Gebietskörperschaften geringer ausfallen und die Finanzierung ihrer Budgets damit noch schwieriger wird.

Nach den jüngsten Schätzungen werden die Steuereinnahmen im laufenden Jahr um 2,9 Milliarden Mark hinter den im Mai errechneten Werten zurückbleiben; fast eine Milliarde davon entfällt auf den Bund. Für 1987 werden Mindereinnahmen in der gleichen Größenordnung vorausgesagt.

Was Stoltenberg am meisten bedrücken muß, ist der immer engere Spielraum für seine große Steuerreform. Sie soll zu einer stattlichen Entlastung für (fast) alle führen, finanziert durch beherztes Streichen bei den Subventionen. Wenn die Steuereinnahmen hinter den Erwartungen zurückbleiben, darf man die Hoffnung auf eine Steuerentlastung getrost ein Stück tiefer hängen. smi