Vor allem die Massenhersteller tun sich schwer, Geld zu verdienen

Von Heinz Blüthmann

Vor gut dreißig Jahren war es für Fiat-Chef Giovanni Agnelli erheblich billiger als vergangene Woche, seinen Willen beim kleinen Konkurrenten Alfa Romeo durchzusetzen. Damals-1954 – hatte der traditionsreiche Sportwagenproduzent Alfa erstmals einen Kleinwagen entwickelt und wollte mit großen Stückzahlen auch in die Fiat-Klasse einsteigen. Agnelli aber fand den Wettbewerber in Staatsbesitz lästig und drohte der Regierung in Rom, kurzerhand zehntausend Fiat-Werker zu entlassen. Der kleine Alfa ging nie in Serie.

Jetzt mußte der Fiat-Patriarch gleich ein paar Milliarden Mark locker machen, damit es so läuft wie er will: Alfa Romeo, obwohl inzwischen längst ein völlig heruntergewirtschaftetes Verlustunternehmen; sollte auf keinen Fall Ford in die Hände fallen. Deshalb griff Agnelli selbst zu und kaufte Alfa dem Staat ab.

Von der Regierung bestärkt

Ford, Nummer zwei der Branche in den Vereinigten Staaten und neben Fiat, Volkswagen, Peugeot, Renault und General Motors (Opel) einer der großen Sechs in Europa, hatte seit dem Frühjahr mit der Staatsholding IRI verhandelt, der Alfa zur Mehrheit gehört, und schließlich ein verbindliches Übernahmeangebot abgegeben. Fords Strategen hofften mit einer rund vier Milliarden Mark teuren Sanierung Alfa Romeos vor allem auf zwei Vorteile: Erstens wollten sie den gerade in Amerika immer noch sehr zugkräftigen Markennamen Alfa Romeo nutzen, um mehr teure Oberklassen-Autos an den Mann zu bringen. Und zweitens hätten sie in Italien mit einem Schlag 350 zusätzliche Händler und damit gut zehn Prozent Marktanteil gehabt, mehr als Fiats Hauptkonkurrent Volkswagen.

Der drohende Einbruch der Amerikaner in das heimische Terrain paßte Agnelli ganz und gar nicht. Er betrachtet Italien als Fiat-Land und wird von der römischen Regierung darin noch bestärkt. Nicht Frankreich oder Großbritannien hat gegen die japanischen Autohersteller die höchsten Schutzzäune aufgestellt, sondern Italien: ganze 2300 Wagen dürfen die Japaner pro Jahr im Land Agnellis verkaufen.