Wir brauchen, schrieb Forschungsminister Heinz Riesenhuber im Vorwort zur Internationalen Messe der Erfinder, die wie das Spielzeug nach Nürnberg gehören, „wir brauchen den wissenschaftlichtechnischen Fortschritt und neue, auch unkonventionelle Ideen“. Er beschwor die Erfinder, sie weiterhin „auch außerhalb der universitären Forschung, der Industrie und der Großforschung“ zu suchen, ja, zu finden.

Sie suchen unverdrossen, der Katalog ihrer Neuheiten nennt 236 Positionen. Auch wenn die Großen wie der Physiker Ernst Ruska, der für die Erfindung des Elektronenmikroskops gerade mit dem Nobelpreis geehrt worden ist, hier selten eine Koje zu mieten und das Schild „Hersteller gesucht“ anzubringen pflegen, lassen sich die Kleinen beileibe nicht verdrießen. Sie sind so emsig wie je.

– Avichai Madmony aus Israel hat „neuartige magische Wachsgemälde“ erfunden, Karlheinz Meidel die „Armauflage für Autofahrer“ und Henry Carlton aus Zell endlich den „Kaugummi- und Etikettenlöser“. Ein Herr, dessen Name sich mir nicht eingeprägt hat, redete allen Mitmenschen ins Gewissen: „Daß die Außenseite Ihrer Zähne sauber ist, sieht man. Aber wie ist es mit der Innenseite?“ Er hilft ihnen mit der Doppelzahnbürste, die zugleich vorn und hinten bürstet und legt dabei „die Bakterien aufs Kreuz“.

Die Ben-Gurion-Universität in Negev bot wohlgemut „Forschungs- und Entwicklungsprojekte“ an, eine amerikanische Werbefirma winkte gleich mit „2000 Patenten“, die Koreaner hingegen ließen es mit so pauschalen Verlockungen nicht bewenden. Allein der rastlose Herr Kim Soon-Tae präsentierte (unter anderem) eine „Sicherheits-Hundeleine mit Handflächen-Massagegriff“, ein „faltbares Rohrverbindungsstück“ sowie zwei Zelte, und zwar das „durch eine Berührung entfaltbare“ sowie das „Zelt mit Periskop“. Besonders aufregend aber schien eine Neuheit zu sein, die ihre Eigentümlichkeit erst beim Gebrauch enthüllt: der Schnellschuh.

„Demonstreeschen?“ fragte, ohne seine Mimik zu verändern, der Erfinder. Er nahm auf einem Stuhl Platz, streifte seinen linken Schuh ab und zog einen Schnürstiefel mit sechzehn Ösen an. Er schaute kurz in die Runde, die, da etwas geschah, rasch größer wurde, dann stieß er so etwas wie ein „Uff“ hervor, während er sich blitzschnell weit zurückbeugte und dabei die ellenlangen Schnürsenkel straffzog, so, als wollte er einen Spielwagen, den man Holländer nennt, in Bewegung setzen: ein Zug – zu! Dann faßte er die beiden Schuhschaftflügel an und riß sie auseinander: ein Ruck – auf!

So war klar, daß der Schnellschuh nicht zu schnellerem Vorankommen verhilft, sondern nur das prä und post beschleunigt. Wozu das nütze ist, erläuterte ein handgeschriebenes Plakat. Es wandte sich – nach dem Hinweis auf die Bequemlichkeit – vor allem den funktionalen Vorzügen zu. Man las:

„1. Im Falle der Kampf- und Trainingsschuhe kann man die Schuhe in 10 Sekunden anziehen. Vergleichsweise kann man die Schuhe im hellen Ort 2 Minuten und 50 Sekunden und im Dunkeln etwa 3 bis 4 Minuten schneller anziehen als traditionelle Schuhe. Dadurch kann man etwa 2000 Gewehrschuß und 15 Kanonen schneller voraus schießen als Gegner und Truppen 1 km vorausmarschieren lassen.“ Sowie: