Schrecklich witzig

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein großes Land, und so kann es hier und dort immer wieder zu schlechten Scherzen kommen. Was haben wir gelacht, als Präsident Reagan im Radio ankündigte, der Angriff auf Rußland beginne in fünf Minuten – und es war nur eine Sprechprobe. Dieser Tage hat in Compton/Kalifornien der Direktor einer Oberschule so richtig schön danebengegriffen. Morgens kam eine ruhige ernste Frauenstimme aus den Lautsprechern. Sie informierte die Schüler und Lehrer, daß Rußland zwei amerikanische Kampfflugzeuge über dem Mittelmeer abgeschossen und den Vereinigten Staaten den Krieg erklärt habe. Präsident Reagan, so lautete die Durchsage weiter, habe die Interkontinentalraketen zur Vergeltung abfeuern lassen. Einige Schüler und Lehrer verließen in Panik die Schule. Kurze Zeit später kam eine zweite Durchsage: April, April! Weinend kehrten einige Schüler in die Schule zurück. Wie die Agentur Associated Press meldet, hat der Direktor die Verantwortung für die Durchsage übernommen. Warum er die Genehmigung gegeben hatte, wollte er nicht sagen. Die Schulbehörde hat inzwischen davon abgesehen, den Direktor zu rügen. Warum auch? Die große Show könnte ja jeden Augenblick losgehen. Kanal 24, eine lokale Fernsehstation in Milwaukee/Wisconsin, warb am 4. November, dem Tag der Senatswahlen, für einen Kriegsfilm. Der Anzeigentext lautete: „Heute nacht könnte der dritte Weltkrieg beginnen – und Sie wollen sich die Wahlergebnisse ansehen? Sie brauchen sich keine Wahlsendungen anzusehen, bloß weil Wahltag ist. Machen Sie von Ihrer freien Wahl Gebrauch und sehen Sie statt dessen einen packenden Actionfilm. War Games. Heute abend um acht.“

Alles gelogen

Viele Amerikaner glauben, daß sie von ihrer Regierung belogen werden: Das fanden Meinungsforscher im Auftrag der New York Times und der Fernsehgesellschaft CBS heraus. Sie fragten 2016 Erwachsene: „Glauben Sie, daß die Regierung die Wahrheit sagt?“ Ein Prozent meint ja, immer. 34 Prozent glauben, dies sei meistens der Fall. 53 Prozent aber meinen, sie würden nur selten die Wahrheit aus Washington hören, und neun Prozent fanden sogar: fast nie. Auf die Frage: „Sind Sie damit einverstanden, daß die Regierung lügt?“ antworteten 18 Prozent: ja. Sieben Prozent wollen es von den Umständen abhängig machen, und 73 Prozent lehnen die Unwahrheit als politisches Mittel ab. Paradoxerweise glauben über die Hälfte jener, die der Regierung Lügen zugestehen, daß sie die Wahrheit sagt. Das sind die Anhänger der Regierung.