Frohe Botschaft

Das ehrwürdige Venedig feierte einen traurigen Gedenktag, den zwanzigsten Jahrestag der großen Überschwemmung von 1966, mit einer Festveranstaltung. Vor den im Dogenpalast versammelten Honoratioren der Lagunenstadt versprach Ministerpräsident Bettino Craxi große Dinge: Schon im nächsten Jahr werde seine Regierung mit dem seit 1966 beredeten und 1973 fest beschlossenen Bau eine Schutzdammes für die vom Untergang bedrohte Stadt beginnen. Venedig, so sprach der Mailänder Craxi, solle wieder eine blühende Stadt werden, nur ja kein zweites Disneyland für Touristen. 1997, zum 200. Jahrestag des politischen Untergangs der Republik Venedig, soll die dann glänzend wiederaufgebaute Stadt eine Weltausstellung beherbergen. Dann begab sich der Ministerpräsident wieder aufs Festland – in einem jener schnellen Motorboote, deren Wellen als Hauptursache für die fortschreitende Zerstörung der hölzernen und steinernen Fundamente unter den Palazzi ausgemacht worden sind.

Grüne Konterrevolution

Die „Grüne Revolution“, der Versuch, durch Entwicklungshilfe und die Einführung fortgeschrittener Technik die Landbevölkerung der armen Staaten in der Dritten Welt vom Hunger zu befreien, ist gescheitert. Das Worldwatch Institute in Washington veröffentlichte jetzt eine Studie des Agrarökonomen Edward Wolf, der statistisch den Nachweis zu führen sucht, daß nur die Großbauern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas von den Neuerungen profitierten. Die kleinen Bauern konnten sich in aller Regel teures Saatgut, Dünge- und Pflanzenschutzmittel, Bewässerungsanlagen und Maschinen nicht leisten. Sie erlebten die „Grüne Revolution“ nur als Preisverfall ihrer Erzeugnisse. 1,4 Milliarden Menschen, fast ein Drittel der Weltbevölkerung, zählt zu jenen Armen, die der Fortschritt der letzten Jahrzehnte nur noch ärmer gemacht hat.

Unbequemer Ausländer

Der 21jährige englische Jurastudent David Bergman darf in Indien bleiben – nachdem der Oberste Gerichtshof in Delhi entschieden hat, die Regierung dürfe den jungen Mann nicht ohne klare Gründe aus dem Land verweisen. Bergman hatte sich unlieb gemacht, auf ganz andere Weise als viele andere junge Westeuropäer in Indien: Er hatte in einem Hilfswerk für die Überlebenden der Katastrophe von Bhopal gearbeitet – und da mögen die örtlichen Behörden keine Ausländer. „Die Hilfsorganisationen sind die einzigen, die den Überlebenden in Bhopal ernsthaft zu helfen versuchen“, sagt Bergman. „Aber die Regierung macht hilfsbereiten Leuten Angst. Sie sieht alle Maßnahmen, die sie selbst nicht kontrolliert, als Bedrohung an.“ In Bhopal leiden Zehntausende von Menschen unter den Folgen der Giftgaswolke, die im Dezember 1984 über die Stadt zog.