Guten Tag, ich heiße Marc Daniel Cohn-Bendit, der Herr da, den Sie sehen, heißt Marc Daniel Cohn-Bendit. Er steht hier und soll nun über Deutschland reden. Vielleicht kennen Sie ihn besser unter dem Namen Roter Dany, und wenn Sie Geschichte genießen wollen wie einen guten Tropfen Wein zum Beispiel, dann können Sie sagen „Roter Dany, Qualitätsjahrgang 68, besonders sonnig, das heißt besonders wertvoll, Appellation controlée.“

Ich lebe seit 41 Jahren mit ihm, kenne ihn also sehr gut. Deswegen wundere ich mich darüber, daß er die Chuzpe besitzt, über sein Leben im eigenen Land Deutschland zu reden. Er, der 1958 eine ganze Nacht im Zug durchgeheult hat, im Liegewagen mit seiner Mutter, als sie ihn mitnahm nach Deutschland, um wieder dorthin zu übersiedeln. Er, der sich 1968 von Gott und der Welt bemitleiden lassen wollte, weil er aus Frankreich ausgewiesen wurde. Er, der 1978, als er wieder nach Frankreich durfte, sich frei entschieden hat, in Deutschland zu bleiben. Dieser Bastard also will über Deutschland reden. Ich muß sagen, ich bin wirklich gespannt, was er sagen will. Da er sich der Schwierigkeiten bewußt ist, hat er mich, Marc, gebeten, ihn zu befragen, und ich glaube, ich bin nicht nur einer der Neugierigsten, sondern auch einer der schärfsten Kritiker seiner Äußerungen, weil ich weiß, wie gut er rationalisieren kann.

Also: Dany, es gehört zum Habitus eines aufgeklärten Linken, sich von Deutschland zu distanzieren, es gehört zum Zeitgeist. Wer sich positiv zu Deutschland bekennt, kann höchstens noch gleichziehen mit Helmut Kohl Gewiß, die Geschichte dieses Landes provoziert Ekel und Verachtung. Über die Singularität dieser Geschichte und die notwendige singuläre Verarbeitung wirst du sicherlich sprechen. Doch was mich besonders stutzig macht: daß du immer noch freiwillig diese Republik als deinen Hauptwohnsitz betrachtest, anstatt in Paris zu residieren.

Versuchen wir doch mal, zurückzudenken. Der Mann, der verantwortlich dafür ist, daß ich in Deutschland lebe, heißt Franz Josef Strauß. Es ist eine ganz einfache Geschichte, und es ist eine deutsch-jüdische Geschichte. Ich bin in Frankreich geboren. Die Alliierten landeten 44, im Juni, in Frankreich, und im Juli/August bin ich gezeugt worden – ein Kind der Freiheit also – wurde aber staatenlos, denn meine Eltern haben mich bei meiner Geburt nicht zum Franzosen erklären lassen. Sie meinten, wir gehen eh nach Amerika, „das gelobte Land“, und „deswegen brauchst du nicht Franzose zu werden, du wirst Amerikaner werden“. Wir haben die nötigen Papiere nicht gekriegt, die Amerikaner wollten nicht zu viele jüdische Einwanderer. Ich lebte also in Frankreich und blieb staatenlos.

Meine Mutter nahm mich 1958, als ich dreizehn war, mit zurück nach Deutschland, denn mein Vater (der dort lebte) war krank. Er hatte Krebs, und meine Mutter – die Familie ist im Endeffekt stärker als man glaubt – wollte ihn pflegen. Ich war dann in Deutschland im Internat, in der Odenwaldschule, und da stellte sich dann die Frage, weil ich immer noch Staatenloser war, was wirst du nun? Ich hatte schon damals überhaupt keine Lust, eingezogen zu werden. Wenn ich etwas wußte, was ich nicht werden wollte, war es Militär, und mein Vater sagte, es gebe einen Erlaß des Ministers für Verteidigung, Franz Josef Strauß, der folgendes besagte: Kinder jüdischer Eltern dürfen zur Bundeswehr, wenn sie wollen, müssen aber nicht. Deswegen habe ich mich entschlossen, mit 15, Deutscher zu werden. Ist das nicht eine Ironie des Schicksals, daß ein Mensch die deutsche Staatsangehörigkeit gewählt hat, um nicht Militär zu werden? Ich finde das wunderbar!

Nun, da ich Deutscher war, wurde mir dieser Paß zum Verhängnis: 1968, als die Revolte in Frankreich stattfand, war ich der „deutsche Anarchist“. Weil ich eben einen deutschen Paß besaß, hatte mich die Kommunistische Partei Frankreichs so beschrieben – und so nahm die Geschichte einfach ihren Lauf.

Ich konnte aus Frankreich ausgewiesen werden, mußte in Deutschland, in Frankfurt leben. Hier fing etwas Seltsames an. Natürlich hatte ich Schwierigkeiten, mich in diesem Land zu integrieren. Meinen ersten Eindruck von Deutschland hatte ich, als ich sieben Jahre alt war: Ich besuchte meinen Vater mit meinem Bruder, der neun Jahre älter ist als ich; mein Vater war zur Kur in Baden-Baden. Wir waren in einem Restaurant, und das ist das erste Bild von Deutschland, das ich immer im Kopf habe: Wir saßen dort an einem Tisch, Jugendliche kamen, kurze Haare, Anzug, Schlips, begrüßten ihre Eltern mit einer Verbeugung, zackige Bewegung, Absätze knallten aneinander, das war so etwa 1953, eine unglaubliche Szene für mich. Als ich 1968 nach Deutschland kam, die antiautoritäre Revolte tobte, verstand ich sie, eben aufgrund dieses Bildes. Es war die logische Antwort einer Generation, auch vielleicht eine logische Folge nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Zustand der deutschen Gesellschaft. Und mit dieser Bewegung habe ich mich identifiziert.

Ich hatte mich in der Tradition der französischen Bewegung als Linksradikaler bewegt, in gleichem Abstand zum real existierenden Kommunismus und zum Kapitalismus, und war hier in Deutschland plötzlich konfrontiert mit einer Bewegung, die den Alltag auch zum Zentrum politischer praktischer Veränderung machte. Natürlich hatte ich mit diesen deutschen Freunden, auch mit den Linken, Schwierigkeiten. Meine Integration in Deutschland verlief eigentlich ganz banal – durch die Liebe. Und die Begründung, warum ich heute noch in Deutschland lebe, ist eine politische, eine gesellschaftliche, aber vor allem eine emotionale. Diese Liebesbeziehung – es sind nicht die gleichen Frauen seit 1968 – ist eine Geschichte. Es ist kein Zufall, daß ich im Zusammenhang dieser sozialen Bewegung diese emotionale Bindung gefunden habe. Oder, anders ausgedrückt, die Art und Weise, wie die antiautoritäre Bewegung und später die Frauenbewegung das Verhältnis von Mann und Frau verändert hat, hat auch in der Bundesrepublik etwas qualitativ verändert, was ich zum Beispiel in dem Maße damals in Frankreich nicht kennengelernt habe. Ich glaube, daß ich mich an-! gezogen fühle in diesem Land nicht von Deutschand, nicht von den Deutschen, sondern von der Geschichte, von der Tradition und von den Lebensformen dieser Revolte, angezogen von dem, wie man gezwungen wurde, sich als Mann zum Beispiel zu verändern. Und es ist weder ein Zufall noch ist es zwingend logisch, aber es ist eine Erklärung dafür, daß ich dann in den Jahren nach 1968 zum Beispiel im Kindergarten gearbeitet habe, was völliges Unverständnis provoziert hat bei meinen politischen Freunden in Frankreich. „Was, du als Vollblutpolitiker? Was machst du acht oder sechs Stunden lang mit kleinen Kindern?“

Mit dieser Dimension der Veränderung des praktischen Lebens wollte ich konfrontiert werden, So waren diese Jahre der Nach-Revolte für mich eine dritte Sozialisation, und das ist der Grund, warum ich hier in Deutschland geblieben bin, und, obwohl ich jetzt wieder nach Frankreich könnte, hier bleibe. Hast du mich verstanden, Marc, ist es dir klar?

Dany, mag sein, daß es verständlich ist, leider muß ich ein wenig nachhaken, weil du da etwas wegrationalisiert hast. Du bist Jude. Deine Eltern emigrierten 1933 aus Berlin. Ich weiß, daß du dich gern als potentiellen Juden verstehst. Du lebst bewußt außerhalb der jüdischen Gemeinde, du bist weder religiös, noch suchst du irgendeine sei es linke jüdische Kollektivität oder Identität. Trotzdem bist du dir bewußt, daß die anderen dich jederzeit wieder zum Juden machen könnten. Die Narben jüdischer Geschichte prägen dich. Macht es dir wirklich nichts aus, als Jude hier zu leben?

Es ist wahr, daß Judentum für mich an sich nichts bedeutet. Und ich kann mich erinnern an eine Diskussion, die ich in der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt hatte. Ich wurde eingeladen von der Organisation der Jungen Jüdischen Frauen, und es ging um mein Leben in Deutschland als Jude. Ich wurde gefragt, ob ich Kinder hätte. Ich sagte Nein, es hat sich nicht ergeben ... Ja, liegt das daran, weil du in Deutschland lebst und eigentlich Angst vor diesem Land hast, deswegen keine Kinder machen willst? Ach wo, unsinnig!

Ich möchte mein Judentum wirklich so verstehen, daß ich den Traum der Emanzipation der Juden, das heißt ihre gesellschaftliche Integration, teile, ein Traum, den die deutschen Juden ja sehr stark gehabt haben und der brutal zerstört wurde vom Nationalsozialismus. Das heißt, ich kann mich nicht davor drücken, zu denken und zu wissen, daß ich, solange es Rassismus und Antisemitismus auf dieser Welt gibt, Jude bin. Auch wenn ich damit nichts zu tun habe, denn diese jüdische Identität kann jederzeit aktiviert, reaktiviert werden. Und für mich ist es auch keine Lösung, nach Israel zu gehen, weil für mich Israel das Ende des Judentums bedeutet. Israel ist der Beginn der israelischen Identität.

Ich verstehe mich, um einen Begriff von Hannah Arendt zu übernehmen, als Paria. Der Jude als Paria. Hannah Ahrendt hat vier Beispiele genannt: Heine war der Schlemihl, der Mensch, der versucht, in einer Traumwelt zu herrschen; Lazarus war der bewußte Paria, ein jüdischer Philosoph; Charlie Chaplin war der suspekte Jude, der aber, und das war eine Leistung, einer der wenigen Juden war, die von der ganzen Welt geliebt wurden, ein Jude, der den kleinen Mann repräsentierte und zum Symbol des Menschen wurde; und als letzter Kafka, der Mensch mit dem guten Willen. Gut, ich wäre froh, sie hätte dann mich genannt, als fünften, vielleicht als Till Eulenspiegel.

Natürlich habe ich falsche Träume gehabt, als ich gehofft habe, daß die Menschen aus der Geschichte lernen, Menschen lernen nicht aus der Geschichte, das deutsche Volk so wenig wie das jüdische. Was die Juden gelitten haben, müßte sie zu dem tolerantesten, zu dem offensten Volk machen, das die Welt je gesehen hat. Man kann nicht sagen, daß der Staat Israel ein toleranter Staat ist oder daß es dort eine tolerante Gesellschaft gibt, weiß Gott nicht. Die Juden haben genauso Schwierigkeiten, mit ihrer Geschichte umzugehen, wie andere Völker. Das Buch von Hannah Arendt „Eichmann in Jerusalem“ soll hier genannt werden. Dort hat sie versucht, nicht eine Eigenverantwortung zu unterstellen, aber trotzdem die Juden zu fragen, wo ihre Mitverantwortung war an der Barbarei, die 1933 begonnen hat und in Auschwitz ihren Höhepunkt fand. Und ich glaube, daß die Juden deswegen unfähig sind, Lehren aus der Geschichte zu ziehen, weil sie genauso unbewußt hineingeschlittert sind in diese Geschichte wie zum Beispiel das deutsche Volk. Der Antisemitismus war kein Privileg der Deutschen, sondern einfach ein universelles Problem. Ich sag das, weil ich sehr beeindruckt war, eben aus dieser Zeit 1968, von der Fähigkeit einer ganzen Generation, sich der Geschichte zu stellen, und der Fähigkeit vor allem unmittelbar der Kinder, sich offensiv mit ihren Eltern auseinanderzusetzen. Das hat Brüche, Dramen produziert, diese Sensibilität ist zum Teil leider in den siebziger Jahren verlorengegangen. Es tauchte dann eine sehr merkwürdige pro-palästinensische Solidarität auf, die aufgrund der deutschen Geschichte eben deswegen merkwürdig ist, weil sich da die Deutschen hätten für befangen erklären müssen, so befangen wie Helmut Kohl sich in Israel hätte erklären müssen. Da gibt es eine Tradition, eine Einheit der Linken mit Helmut Kohl, die weder Helmut Kohl, noch die Linke wahrhaben wollen.

Es gab sie trotzdem, diese Auseinandersetzung, das Nachdenken über die Geschichte, das Nachdenken über die eigene Verantwortung. Das war ein Verdienst der Revolte.

Ich hatte 1969 ein Verfahren in der Bundesrepublik, einen Prozeß wegen Landfriedensbruch, da fragte mich der Richter, wie heißen Sie?, und ich antwortete, ich heiße Kuron-Modzelewski.

„Nein, nein, Sie heißen Cohn-Bendit.“

„Ja, aber am heutigen Tag fängt in Warschau der Prozeß gegen Kuron und Modzelewski an.“ Ich wollte damit meine Solidarität mit diesen beiden Menschen demonstrieren, die den Demokratisierungsprozeß in Polen damals vorangetrieben haben, als es eine Studentenbewegung in Polen gab, die Studentenbewegung damals von stalinistischen Machthabern denunziert wurde als zionistische Bewegung. Der latente Antisemitismus, den es in Polen gab, wurde benutzt, um eine Mauer zwischen der Studentenbewegung und dem Volk aufzubauen. Man benutzte den Antisemitismus, weil man wußte, daß dies wirkt. Und ich glaube – es ist schwer, das auszusprechen – daß es kein Zufall ist, daß Auschwitz in Polen liegt. Man konnte sowas nur planen, wenn man sicher sein konnte, daß die Menschen, die in der Umgebung lebten, nichts dagegen tun würden. Das hat Shoah gezeigt, und ich glaube, das ist eine schwierige Auseinandersetzung. Einer der Juden, den ich am meisten bewundere, ist Adam Michnik, der ja in Polen nicht als Jude kämpft, sondern eben sich davon löst und sagt, es gibt den Antisemitismus, und es gibt auch was anderes, es gibt ein lebendiges Bedürfnis nach Freiheit, das auch diesen Antisemitismus überwinden kann. Das ist eine seiner Motivationen, sich in Polen nicht nur mit Solidarnosz zu verbinden, nicht nur aktiv zu sein, sondern sich auch noch mit der katholischen Kirche zu verbrüdern, obwohl die am Antisemitismus auch ihre Verantwortung trägt.

Damit will ich sagen, daß es immer, immer eine Möglichkeit gibt, wenn man will, Auswege zu finden. Das ist meine Erklärung. Du weißt ganz genau, warum ich in Deutschland lebe. Es gibt einen jüdischen Witz, der sagt, wenn du nur zwei Möglichkeiten hast, und du mußt dich entscheiden, wähle immer die dritte. Ich glaube, das mache ich, indem ich mich zwischen Deutschland und Frankreich entschieden habe: Mit den Menschen zu leben, die mich emotional binden, und ich habe die Möglichkeit gewählt, keinem Land treu zu sein, meine Identität nicht in einem geographischen Zusammenhang zu suchen, weder Frankreich noch Deutschland. Und das entlastet mich. Ich lebe da, wo ich verliebt bin.

Fast klar, fast! Es scheint mir, als ob du dich in der momentan tobenden Historiker-Debatte nicht traust, deine wirkliche Meinung zu vertreten. Für Hannah Arendt zum Beispiel war es eine Selbstverständlichkeit, Hitler mit Stalin zu vergleichen, ja, ihre Formulierung des Ursprungs des Totalitarismus beruht ja darauf, daß sie beides vergleicht und identisch in der Struktur selbst setzt. Ich weiß, wie sehr Hannah Arendt dir also am Herzen liegt. Sie beschäftigt dich sehr, und deswegen werde ich das Gefühl nicht los, daß du die allergische Reaktion der wissenschaftlichen und politischen Linken eigentlich nicht teilen kannst in dieser Historiker-Debatte. Gibt es eine Singularität des Totalitarismus, oder gibt es eine Singularität des Nationalsozialismus als Anus der menschlichen Zivilisation. Oder auf gut deutsch: Deutsche sind auch Menschen, denen ohne Zweifel ein Anteil an der weltumspannenden Barbarei gehört, aber auch nicht mehr als ein Anteil. Dürfen Deutsche sich nicht entlasten, indem sie die Barbarei zum universalen Gemeingut erklären?

Wäre ich Gott, so wäre die Frage einfach zu beantworten. Natürlich ist die Barbarei des Stalinismus gleich der Barbarei des Nationalsozialismus, natürlich gab es viele Tote, also sind beide moralisch genauso verwerflich. Das könnte ich als Gott sagen. Da die Menschen, weder Herr Hillgruber – noch Helmut Kohl – noch Geißler – noch andere Gott sind, können sie so nicht reden. Sondern die Frage, die sie beantworten müssen, ist folgende: Meiner Meinung nach hat ein Russe sich auseinanderzusetzen mit der Singularität des Stalinismus, und ein Deutscher hat sich auseinanderzusetzen mit der Singularität der Barbarei des Nationalsozialismus. Deswegen sind alle linken Erklärungsversuche, die auf ökonomischer Ebene versuchen, den Nationalsozialismus zu erklären und zu sagen „Flick sagte Hü, und schon sprang die deutsche Industrie“ oder wie die Sprüche alle heißen, natürlich falsch, denn sie erklären, warum die Industrie in bestimmten gesellschaftlichen Situationen autoritäre, totalitäre Parteien unterstützt, sie erklären aber nicht diese Barbarei. Wenn Herr Dregger mir sagt, ich will, daß die Deutschen wieder Nationalbewußtsein nicht nur entwickelt können, sondern stolz darauf sein können, da frage ich mich, ja, was soll es sein, was wollt ihr eigentlich?

Deutsche könnten sich in der Geschichte mit denjenigen identifizieren, die, in welcher Situation auch immer, entweder Widerstand geleistet haben oder sich gedrückt haben, oder wenigstens desertiert sind. Das heißt, mit denjenigen, die irgendwann mal nein gesagt haben. Will also die Historikerdebatte diese Kontinuität aufbauen, dann sage ich, ich bin dabei! Dann müßten aber die konservativen Historiker und Politiker der CDU anfangen, sich öffentlich bei Männern wie Willy Brandt zu entschuldigen, die ja gerade politisch angegriffen wurden, weil sie Widerstand geleistet haben. Nur dann wäre das Nachdenken über deutsche Geschichte glaubwürdig, wenn endlich mal von konservativer Seite, denn die deutschen Konservativen haben eine historische Verantwortung für den Nationalsozialismus, auch öffentlich gesagt würde, daß das, was unter Adenauer mit Willy Brandt passierte, nicht nur verwerflich war, sondern jene Kontinuität der Geschichte, der man sich eigentlich entziehen wollte.

Habermas hat seine Formulierung von der Vertreibung der Kulaken in der Sowjetunion zurückgenommen. Natürlich war es eine Vernichtung, natürlich sind in den Konzentrationslagern der Sowjetunion Millionen von Menschen umgekommen. Ich glaube, man muß die Rechten im Antikommunismus links überholen und zeigen, daß wir die besseren Antikommunisten sind, weil wir eigentlich die wahren Antitotalitären sind, daß der Ursprung von Totalitarismus der autoritäre Charakter ist, sei es nationalsozialistischer Prägung, sei es bolschewistischer Prägung. Wenn man das sagt und danach handelt, dann kann man auch die deutsche Geschichte diskutieren und kann versuchen, aus dem „mea culpa“ herauszukommen. Man kann sich für befangen erklären und trotzdem, aufgrund dieser Befangenheit, diskutieren, aber man muß ein paar Zeichen setzen, denn Politik ist immer auch eine Sache der Symbole. Vor kurzem hat sich wieder gezeigt, wie beschämend die Diskussion war über die Wiedergutmachung an Roma und Sinti, an Schwulen usw. im Deutschen Bundestag. Wo bleibt die sonntägliche Großzügigkeit? Wo bleibt das Generöse, wo bleibt das Natürlich-werden-wir-innerhalb-vondrei – Wochen – alles – bezahlen – was – zu – zahlen – ist – und-wenn’s-uns-ein-paar-Millionen-mehr-kostet-was macht-das-aufgrund-der-Geschichte? Das Beschämende war, daß die Bürokratenmentalität, die berechnet hat, wie die Züge nun laufen müssen, damit sie pünktlich in den KZs ankommen, die gleiche war, die berechnet hat, daß der deutsche Haushalt natürlich nicht mehr als 0,6 oder 0,7 Prozent für Wiedergutmachung ausgeben kann aufgrund der ökonomisch angespannten Lage. Das finde ich das Infame.

Wo bleibt das Denkmal in den deutschen Städten, nicht nur für die Widerstandskämpfer, sondern auch für die Deserteure? Wo bleibt die Identifikation des deutschen Volkes mit den Menschen, die den Mut gehabt haben, von der Wehrmacht zu desertieren? Und diese Diskussion deutet natürlich nicht nur auf das konservative Lager, nein, diese Diskussion deutet auch auf die Sozialdemokraten, die nicht desertiert sind, die vielleicht sogar – gewiß waren sie jung, aber wenn man Krieg führt, ist man alt genug – die Scharfmacher, die Offiziere waren. Ich will sie nicht verurteilen, nicht verdammen, zum Beispiel Helmut Schmidt, daß sie Offiziere waren, nur, wenn man der ganzen Welt immer moralische Ratschläge gibt, könnte man sich selbst auch mal einen geben.

Wie du siehst, es gibt für mich eine Singularität in der Geschichte, das ist die Singularität des Widerstands, und das ist das Kontinuum in der Geschichte, mit dem ich mich auch in Deutschland identifizieren kann.

Dany, du bist ein Grüner. Ja, ich weiß, du bist einfaches Mitglied, hast keine Funktion in der Partei, aber du bekennst dich zu dieser Partei, du wählst sie nicht nur, du bist auch bereit, wenn nicht zu kandidieren, wenigstens Wahlkampf für diese Partei zu machen. Du bist auch Teil, objektiv, der Friedensbewegung, und trotzdem weißt du ganz genau, daß du dich da nicht wohlfühlst, gerade in der Friedensbewegung. Die Ökopaxe bedeuten dir, na, seien wir mal vorsichtig, nicht sehr viel. Im Gegenteil, du hast mal einen Satz gesagt, einen schrecklichen Satz, finde ich, aber vielleicht stimmt er. Du hast gesagt: In Deutschland hast du das Gefühl, daß es leichter ist, sechs Millionen Bäume zu retten als sechs Millionen Juden. Es ist eine schlimme Anschuldigung, und ich möchte eigentlich wissen, was du Adam Michnik antwortest, der in einem Grußwort an die Friedensbewegung aus dem Gefängnis heraus folgendes gesagt hat: Wenn die Kraft der Moral nicht mehr zählt, beginnt die Moral der Stärke zu herrschen. Hitler und Stalin zeigten, welche Konsequenzen dies nach sich zieht. Deswegen ist der Kampf für Frieden immer ein Kampf für moralische Werte, denn nur derart begründet ist er ein authentischer Frieden. Totalitäre Ruhe ist kein Frieden. Deswegen ist der Kampf für Frieden nur möglich als Kampf gegen die Unterdrückung des totalitären Systems. Krieg und Gewalt sind unvermeidliche Produkte totalitärer Diktatur. Dany, deine französischen Freunde verstehen den naiven deutschen Pazifismus nicht. Bedeutet die These eines gemeinsamen Friedens zwischen Ost und West nicht das Opfern der Polen, Tschechen, Ungarn, ja Russen für unseren Frieden?

Hier kommt mein Leben in Deutschland in eine Zwickmühle. Denn es ist zum Teil richtig, was die Franzosen sagen. Es stimmt zwar nicht, daß die Linken denken, lieber rot als tot. Aber aufgrund der geschichtlichen Befangenheit versuchen sie, das Ausmaß des Totalitarismus in der Sowjetunion zu minimieren. Es ist wahr, daß die Russen Abrüstungsvorschläge machen und gleichzeitig überlegen, wie man einen Krieg gewinnen kann, und natürlich forschen sie an einem SDI-ähnlichen Projekt. Das ist selbstverständlich, sie wären ja aufgrund ihrer Geschichte Selbstmörder, würden sie’s nicht machen. Nur, und das macht die Diskussion so schwierig, weder ist ein Ronald Reagan vertrauenswürdiger als ein Gorbatschow, noch sind die Herren Dregger, Kohl oder auch ein Apel vertrauenswürdiger. Der Unterschied zwischen beiden Gesellschaftssystemen wurde uns im Vietnam-Krieg klar, wenn man ihn vergleicht mit dem Afghanistan-Krieg. Der Vietnam-Krieg, eine Barbarei, wurde gewonnen einerseits durch den Widerstand der Vietnamesen, aber gebrochen wurde die Kriegsideologie in den Vereinigten Staaten oder, wenn man will, in der westlichen Welt, von der Revolte. Gebrochen wurde die Kriegsidentität der Amerikaner in Woodstock, zerbrochen ist die Kriegsmaschinerie an der Öffentlichkeit. Diese Öffentlichkeit kann etwas erzwingen, aber sie existiert in der Sowjetunion nicht. Im Fall Afghanistan nicht und nicht im Fall der Tschechoslowakei 1968, nicht für Ungarn 1956 und so weiter. Adam Michnik: hat recht, daß die Grundlage einer politischen Strategie nur diejenige sein kann, die sich frontal auch dem Totalitarismus im Osten und den autoritären Strukturen im Westen stellt. Wenn das stimmt, so finde ich, sollte die Friedensbewegung in der Lage sein, diesen Widerspruch hier in diesem Eurem Land auszuhalten, nämlich den Widerspruch, daß es natürlich etwas Richtiges ist, wenn die Rechten sagen, es wird erst Frieden geben, wenn es keinen Totalitarismus mehr gibt. Das ist ein Teil der richtigen Antwort, nur muß man noch dazu sagen – und das ist eine Utopie, an der wir damals hingen, die bleibt aber doch wahr, auch wenn sie vielleicht unerreichbar ist – die Garantie des Friedens ist natürlich die Auflösung der Nationalstaaten, denn das ist die Garantie der Auflösung militärischer Strukturen. Das ist vielleicht unmöglich, das mag sein, nur dann muß man wissen, daß ein Krieg jederzeit möglich ist.

Politik heute, die uns friedensfähig machen will, ein blödes Wort, wäre nur möglich, wenn sie gerade aufzeigen würde, daß es uns darum geht, so schnell wie möglichden Totalitarismus im Osten nicht nur nicht zu unterstützen, sondern die Opposition dort als praktischen Teil von uns zu betrachten. Dies müßte für die Deutschen, mit denen ich lebe, eine Klarheit schaffen, die ich leider vermisse. Für sie verkörpern die Vereinigten Staaten das Böse an sich. Sie sagen, die Contras sind Mörder, schweigen aber, wenn nicaraguanische Zeitungen sich auf die Seite Jaruszelskis schlagen. In Nicaragua haben die Menschen nicht die Möglichkeit, politisch, sozial, die Freiheit zu entwickeln, die die Menschen dort bitter nötig hätten. Jetzt verstehst du möglicherweise, warum ich mich sehr oft auch mit denjenigen, mit denen ich demonstriere, unwohl fühle, als Paria fühle, weil ich der Meinung bin, so richtig es ist, gegen Raketen zu sein, so falsch ist es, wenn man glaubt, der Satan sitze in Washington und wer in Moskau sitze, sei weniger schlimm.

In den sechziger und siebziger Jahren war für dich die symbolische Gewalt gegen Sachen natürlich, und die aktionistische Straßenmilitanz eine notwendige Ausdrucksform des kollektiven Emanzipationsprozesses. Durch den Bau von Barrikaden – O-ton der siebziger Jahre – konnte die revolutionäre Bewegung die Mauer des Schweigens, der Kollaboration, der Erniedrigung durchbrechen, wurden die bürgerlichen Verkrustungen aufgebrochen. Eier, Pflastersteine und sogar manchmal Molotowcocktails gehörten zur ideologischen Ausrüstung deines Bewußtseins. Heute predigst du Enthaltsamkeit, gebärdest dich als der Papst der Gewaltlosigkeit, wenn du von der RAF redest, sprichst du von einer Killermentalität. Vom Saulus zum Paulus bist du einer der Kronzeugen geworden für die Meinung, daß es natürlich legitim ist, ein Kontinuum zwischen Studentenrevolte und RAF zu sehen. Fühlst du dich eigentlich wohl in deiner denunziatorischen Rolle? Die jungen Autonomen verstehen dich längst nicht mehr.

Bevor man sich entscheidet und sagt, ich bin gegen Gewalt, wir sind alle gegen Gewalt, muß man einfach feststellen, wir haben sie vorgefunden. Wenn die Schwarzen 1968/69 in Amerika eilen ganzen Vorort niederbrennen, so nicht deshalb, weil sie für Gewalt sind, sondern weil die gesellschaftlichen Verhältnisse sie zu dieser Eruption gezwungen haben. Die Freiheit bedeutet, irgendwann Schluß zu sagen. Und es stimmt, daß unsere Barrikaden, die ich für gewaltlos halte, die französische Gesellschaft gezwungen haben, nachzudenken, und daß Dämme aufgebrochen sind, die diese ganze Freiheitsdiskussion erst möglich machten. Und man muß sich die Verhärtung der deutschen Gesellschaft ins Gedächtnis rufen, um zu verstehen, was in der Revolte geschehen ist. Immer dann, wenn man das Gefühl hat, ein Recht zu haben, tausendmal im Recht zu sein, nur diese Gesellschaft kann das nicht anerkennen, dann kommt dieses psychisch-politische Moment, wo es gesellschaftliche Gruppen gibt, die revoltieren, die Rabatz machen. Das neueste Beispiel ist Tschernobyl. Viele von uns sind der Überzeugung, daß wir mit der Atomenergie mit einem Restrisiko leben müssen, das uns vernichten kann, sind deswegen der Meinung, eigentlich müßte die ganze Gesellschaft sagen, wir halten inne, wir rüsten um, denn wir wollen nicht untergehen.

Wenn man aber sieht, daß die Menschen trotzdem alles tun, damit es beim alten bleibt, und wenn man nicht untergehen will, wenn man Angst hat, dann kann ich es nachvollziehen, wenn junge Menschen, oder manchmal auch nicht mehr so junge, einen Strommast absägen. Natürlich ist das politisch falsch, natürlich wird das die Atomenergie nicht zurückdrängen. Aber ist es nicht viel fataler, wenn man den Unterschied, den die Studentenbewegung zwischen Gewalt gegen Sachen und Gewalt gegen Menschen gemacht hat, aufkündigt und sagt, das ist genau so schlimm, denn es fängt mit Eiern an und endet mit Bomben? Macht man da nicht etwas, was als perverse Folge nur haben wird, daß man denjenigen, die gerade das wollen, eigentlich nur hilft? Anders ausgedrückt: Natürlich gibt es RAF-Theoretiker, die glauben, daß man mit „revolutionärer Gewalt“ die Prozesse in dieser Gesellschaft vorantreiben könne. Sie hoffen, daß diejenigen, die mit Eiern beginnen, mit Strommasten weitermachen und irgendwann bei ihnen landen. Die Aufgabe der aufgeklärten, demokratischen Gesellschaft wäre genau, diese Rechnung zu durchkreuzen, sich zu fragen, wie man das verhindern kann. So falsch es auch ist, einen Strommast abzusägen, ihn kann man wieder aufbauen, einen getöteten Menschen nicht mehr. Das heißt, es ist ein wesentlicher Unterschied, ob man Gewalt gegen Sachen anwendet oder gegen Menschen.

Es ist wichtig, diese psychische Komponente politischer Prozesse bewußt zur Kenntnis zu nehmen. Es geht aber auch darum, und da bin ich einer der ersten, zu versuchen, in diese emotionale Irrationalität Vernunft hineinzubringen. Aber das kann man nur, wenn man zugesteht, daß das Ausflippen zur menschlichen Identität gehört. Und daß gerade in Deutschland keiner sagen kann, das verstehen wir nicht. Dieses Volk hat doch vor vierzig Jahren Europa in Schutt und Asche gelegt. Das war ein kollektives Ausflippen. Deswegen wäre es doch verständlich, es zwar nicht zu akzeptieren, aber zu versuchen, nachzuvollziehen, wie und warum ein solches kollektives Ausrasten eigentlich geschieht. Und deswegen halte ich es nicht nur für gefährlich, sondern auch für verlogen, daß man Auseinandersetzungen, wie zum Beispiel in Wackersdorf, als Terror bezeichnet.

Es ist nicht immer alles legal, was legitim ist, es ist nicht immer alles legitim, was nicht legal ist. Nur, um mit Hannah Arendt zu reden, wenn in der deutschen Verfassung das Recht auf zivilen Ungehorsam eingeführt wird, wenn gesagt wird, vielleicht irren sich die Demonstranten, aber selbstverständlich ist es ein verbrieftes Recht, sich auf die Straße zu setzen und zu blockieren – erst dann wird es auch von Seiten der Demonstranten einen Weg der Deskalation geben. Ich weiß nicht, wovor man Angst hat. Ziviler Ungehorsam ist doch ganz einfach: Wenn viele das machen, dann ist es erstmal ein gesellschaftliches Problem, darüber muß man sich auseinandersetzen. Sind diejenigen, die zivilen Ungehorsam betreiben, wenige, hören sie ziemlich schnell auf, das heißt, das reguliert sich von allein.

Für mich gehören zum Zustand dieser Republik sowohl die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts wie auch das Killen der RAF gewissermaßen als Symbole einer geschichtlichen Inkonsequenz, eines geschichtlichen Unverstandes. Diejenigen, die glauben, eine Sitzblockade, ziviler Ungehorsam wäre eine Bedrohung unserer Gesellschaft, haben die falschen Schlüsse gezogen, nicht nur aus der deutschen Geschichte.

Wenn man also pazifieren will in einer Gesellschaft, muß man als Bestandteil der Verfassung, der Identität und der Grundrechte den zivilen Ungehorsam einführen. Macht man das nicht, so kriegt man ’ne Quittung, und diese Quittung heißt Gewalt.

Man darf, und das ist eben genau das, was die Killer-Generation nicht versteht, die Veränderungsfähigkeit der Menschen nicht unterschätzen. Und die Möglichkeit dieser Veränderung ist unendlich. Wenn seinerzeit zum Beispiel jemand wie Hanns-Martin Schleyer ermordet wurde, weil er früher Nazi war (Mitglied der SS) und nach dem Krieg Arbeitgeberpräsident wurde, so negiert diese Tat jede Veränderungsfähigkeit. Ich nahm Herrn Schleyer ab, daß er sich von einem überzeugten Nazi zu einem Demokraten wandeln konnte. Das ist eine mögliche Entwicklung.

Wenn das stimmt, so sind solche Prozesse genauso im linken Spektrum möglich. Es kann jemand gemordet haben, jemand ein schießendes Mitglied der RAF gewesen sein und trotzdem heute glaubwürdig sich verändert haben, Demokrat sein. Den müssen wir genauso amnestieren wie wir Hanns Schleyer gesellschaftlich amnestiert haben, da er sich verändert hatte. Ich glaube, daß in dem Land, in dem ich gern lebe, nur dann eine große Chance bestehen wird, wenn dieses imaginäre Projekt, diese Utopie Demokratie und Menschenrechte Wirklichkeit wird.

Es gibt bei der Demokratie immer ein Restrisiko, es gibt ein Risiko, daß Menschen sich an diese Demokratie nicht halten. Aber ich glaube, nur wenn wir immer diese Utopie vor Augen haben, das Bild einer humanen Demokratie, die bis zum letzten unseren stärksten Feinden die größtmöglichen Menschenrechte garantiert, werden wir die Möglichkeit haben, eine real existierende Demokratie in diesem Eurem Land auch zu entwickeln und zu fördern. Machen wir das nicht, greifen wir zurück auf unsere totalitären, autoritären Schutzbedürfnisse, die zwar verständlich sind, aber die nichts bringen und die geschichtlich nichts gebracht haben, so zeigen wir nur, daß wir in einem Land leben, und das gilt nicht nur für Deutschland, wo die politische Freiheit zwar existiert, aber die soziale Knechtschaft immer noch fortdauert, wo das Recht des Individuums mit all den Komplexitäten und Irrationalitäten, die dazugehören, immer noch mit Füßen getreten wird.

Leicht gekürzte Fassung einer Rede, die Cohn-Bendit in der von der Stadt München, vom Bertelsmann Verlag und von den Münchener Kammerspielen veranstalteten Reihe „Reden über das eigene Land: Deutschland“ gehalten hat. Zusammen mit den Reden von Cornelia Edvardson, Herbert Achternbusch und Stefan Hermlin erscheint sie demnächst auch als Buch bei Bertelsmann.