Von Hans Schueler
Rainer Werner Fassbinders Schauspiel "Der Müll, die Stadt und der Tod" wird in Frankfurt am Main solange nicht aufgeführt werden, wie Günther Rühle dort Intendant der Städtischen Bühnen ist. Im Gegenzug wird der Vertreter der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt gegen Rühle "nicht den Vorwurf des Antisemitismus erheben". Dies dürfen wir einem jüngst protokollierten gerichtlichen Vergleich entnehmen, mit dem der Bühnenchef und die Juden der Stadt gut ein Jahr nach dem Streit um die Uraufführung ihren Frieden miteinander gemacht haben. Die Frage, ob nach Auschwitz in einem deutschen Theater ein schlimmer deutscher Jude nach dem Vorbild des "Jud Süß" vorgeführt werden darf, unterliegt also der Verständigung in Form "wechselseitigen Nachgebens", wie die Zivilprozeßordnung das ausdrückt.