ZDF, Montag, 15. Dezember, 19.30 Uhr: "Wilhelm Busch: Wer einsam ist, der hat es gut! Weil keiner da, der ihm was tut", Fernsehfilm von Wolfgang Mühlbauer (Buch) und Hartmut Griesmayr (Regie)

Da gibt es ja nicht viel zu verfilmen. Der Mann lebte, nach ein bißchen Boheme – Düsseldorf, München, Frankfurt – den Rest des Lebens vergraben in seinem niedersächsischen Heimatnest Wiedensahl, besuchte ab und zu noch ein paar Freunde und dichtete und zeichnete ansonsten, bemuttert von seiner Schwester, misanthropisch dahin, sich die Welt mit meisten und Schopenhauer erklärend. Die meisten Briefe, auch an gute Freunde, unterschrieb er mit "Wilh. Busch"; selbst hier noch nahm er sich zurück, vermied er das Ausgeschriebene, Ausgesprochene – ein Mensch, der niemanden (wie heißt es so schön im WG-Jargon von heute?) "an sich ranließ".

Auch Autor Wolfgang Mühlbauer hat wohl seine Not damit gehabt, für den Film ein Weniges an Lebens-, also Spielhandlung zu finden, zu erfinden, um die Inszenierung in Gang zu bringen. Da gibt es, immerhin, eine Frau, Johanna Keßler, verheiratet mit einem Frankfurter Bankier, die Busch einige Jahre mäzenatisch fördert. Doch die großen, pastosen, goldgerahmten Szenen wollen nicht gelingen, Busch hatte die ihm gemäße, die einzig originäre Form für seine geniale Beobachtungsgabe längst gefunden. "Max und Moritz", "Hans Huckebein", "Die fromme Helene" erscheinen. Buschs Angst vor der "großen" Kunst enttäuscht Johanna, wie ihn ihre Angst vor der Liebe. 1872, nach drei Jahren, verläßt er das Frankfurter Atelier. Noch gehen Briefe hin und her, dann hört man nichts mehr voneinander. 1891 erst begegnen sie sich wieder, in Bad Rehberg bei Wiedensahl. Hier setzt der Film ein.

Johannas Töchter sind erwachsen geworden, Enkelkinder gibt es auch schon. Man unternimmt kleine Ausflüge über Land, "Onkel Wilhelm" gibt sarkastische Lebensweisheiten zum besten, und zwischen Hünengräbern und Brombeerbüschen versäumen Busch und Johanna Keßler ein paar Sommertage, halb in bitterer Erinnerung, halb schon in mildem Vergessen über das gemeinsame Leben, das es nicht gab.

Wolfgang Mühlbauer und Hartmut Griesmayr zeigen diese Tage in leicht hingetuschten Szenen, melancholischen Skizzen. Leider vertrauen sie nicht ganz diesen bukolischen, von Buschs munter-zynischen Bemerkungen leicht zerkratzten Sommerbildern, sondern versuchen, in mühsam konstruierten Rückblenden, die Skizze auszumalen zu einem Lebensbild. Das muß dann freilich mißlingen, denn der "ganze Busch", dieser pessimistische Aufklärer, mit seiner sonderbaren, grotesk-sadistisch-idyllischen Phantasie, entzieht sich in seiner genialen Widersprüchlichkeit von selbst jeder konventionellen Darstellung.

Immerhin ist der Film, mit Peter Ehrlich in der Hauptrolle vorzüglich besetzt, ein schön gestalteter "Hinweis" auf einen anderen Busch, von dem das "Hausbuch" nichts zu berichten weiß.

Benedikt Erenz