Hasenfus, der schon Jahre zuvor für "Air America", ein Flugunternehmen der CIA, Einsätze in Indochina geflogen hatte, meinte, er stehe abermals im Sold des amerikanischen Geheimdienstes. Tatsächlich war er jedoch einer von Oliver Norths Desperados. In seinem Notizbuch fand sich die Nummer eines Telephonanschlusses in El Salvador. Hasenfus und seine rund 25 Kumpel von der Contra-Luftwaffe waren nahe des salvadorianischen Fliegerhorstes Ilopango stationiert. Die Telephonrechnung dieses Anschlusses führte weiter: sie listete zahlreiche Ferngespräche auf, die auf der direkten Leitung von Oberstleutnant North im Weißen Haus endeten. In der verräterischen Quittung fand sich auch die Nummer einer Firma namens Stanford Technology Trading Inc." aus Vienna, Virginia. Dieses Handelsunternehmen befindet sich in teilweisem Besitz von Norths altem Kampfgefährten Generalmajor Richard Secord.

Secord entpuppte sich bald als Schlüsselfigur in dem halboffiziellen Contra-Netz. Er ist ein geeichter Haudegen aus den Tagen des geheimen Luftkrieges, den CIA und "Air America" am Himmel über Laos geführt hatten. Zu Regierungszeiten von Schah Mohammed Reza Pahlevi leitete er drei Jahre lang eine amerikanische Luftwaffenmission in Teheran.

Schließlich fand er im Pentagon Unterschlupf. 1983 verlor er allerdings seinen Regierungsjob wieder. Er war öffentlich in peinlich enge Verbindung mit dem abtrünnigen CIA-Agenten Edwin Wilson gebracht worden: Wilson gilt nämlich als Verräter, der ein Vermögen bei schmutzigen Geschäften mit dem verhaßten libyschen Staatschef Muammar Ghaddafi verdient hatte. Zur Zeit verbüßt Wilson eine 52jährige Haftstrafe in einem Hochsicherheitsgefängnis.

Seinen Partner in der "Stanford Technology Trading den iranischen Kaufmann Albert Hakim, hatte Secord seinerzeit über Vermittlung von Wilson in Teheran kennengelernt. Oliver North mußten die beiden als ideale Helfer erscheinen: Hakim kannte alle Tricks, mit denen sich Geld und Waffen verschieben lassen und Secord hatte viele gute Freunde unter Militärs und Geheimdienstleuten. North rekrutierte einen weiteren CIA-Veteranen namens Thomas Clines, der in El Salvador die Contra-Nachschuborganisation aufbauen sollte. Clines, ebenfalls ein Bekannter von Wilson aus deren gemeinsamer Zeit bei der Agency, warb das bewährte Flugpersonal der "Air America an. William Cooper, der Flugzugführer der über Nicaragua abgeschossenen Fairchild hatte sich beispielsweise einst als Chefpilot der "Air America" einen legendären Ruf erworben.

Zwei Exil-Kubaner, Überlebende der Invasion in der Schweinebucht (1961), leiteten die Bodenoperationen auf dem Luftwaffenstützpunkt Ilopango und dienten als Liaison zu den salvadorianischen Militärs. Felix Rodriguez, alias Max Gomez, der schon die bolivianische Armee bei der Jagd auf Che Guevara beraten hatte, war auf Empfehlung eines Assistenten von Vizepräsident George Bush angeheuert worden. Sein Partner Ramon Medina alias Luis Posada Carriles steht in Venezuela auf der Fahndungsliste, wo ihm zur Last gelegt wird, daß er 1976 eine Höllenmaschine in einem kubanischen Passagierflugzeug (76 Tote) detonieren ließ.

Die beiden Exil-Kubaner waren gemeinsam mit zwei Exoffizieren im Sold von Secords Firma, Richard Gadd und Robert Dutton – beide hatten sich einmal im Pentagon ein Büro geteilt – auch für die Abwicklung des Flugbetriebes zuständig. Sie hielten ständigen Kontakt mit der Zentrale in Virginia. Von dort erhielten sie auch ihre Order und die Abwurfkoordinaten. Der Kommandeur des amerikanischen Militärberaterkontingents in El Salvador, Oberst James Steel, erschien zu regelmäßigen Kontrollbesuchen.

Das Contra-Geschwader bestand die längste Zeit aus fünf klapprigen Mühlen. Die Piloten klagten beständig über die mangelhafte Ausrüstung: ungenaue Navigationsgeräte, schadhafte Funkanlagen, mitunter nicht einmal Fallschirme. Schon die erste Maschine, eine rostige "C-7 Caribou", die aus Kanada eingeflogen werden mußte, hätte es beinahe nicht geschafft. Die Besatzung war gezwungen, einen teuren Reservemotor, einen nagelneuen Kühlschrank und diverse Ersatzteilkisten über dem Dschungel abzuwerfen, wollte sie nicht, daß der Vogel vom Himmel fiel.