Nach langen Intrigen haben auch Frankreichs Unternehmer einen neuen Sprecher gefunden

Seit dieser Woche hat auch der französische Arbeitgeberverband einen neuen Vorsitzenden. Die Geschicke des Conseil National du Patronat Français (CNPF) leitet künftig der ehemalige Unilever-Manager François Périgot. Der sechzigjährige Franzose wird es nicht leicht haben. Denn seiner Wahl ging eine heftige Fehde im CNPF voraus.

Zwei Kandidaten bewarben sich um das höchste Amt: Périgot und die barocke Unternehmerfigur Yvon Chotard. Der Kleinverleger Chotard präsidierte jahrelang der „Sozialen Kommission“ des CNPF und war mithin zuständig für die Verhandlungen mit den Gewerkschaftern. Im vorigen Frühjahr freilich reichte Yvon Chotard wegen eines persönlichen Zwists mit dem damaligen CNPF-Vorsitzenden Yvon Gattaz überraschend seinen Abschied ein. Fortan tobte der in aller Öffentlichkeit geführte „Krieg der zwei Yvons“, der dem Ansehen des CNPF nicht gut bekam.

Es war eine mit unbändiger Streitlust geführte Auseinandersetzung, eine typisch französische Posse. Der zurückgetretene Yvon Chotard sann nach Rache; mit Unterstützung einiger großer Branchenverbände bereitete er sein Comeback vor. Er lancierte eine eigentliche, höchst sonderbare Präsidentschaftskampagne: Er gab einen Informationsbrief heraus, schrieb ein Buch, gab unzählige Interviews, verunglimpfte seine Widersacher und verpaßte keine Gelegenheit, der CNPF-Führung eins auszuwischen. Als sein Freund Jacques Chirac zum Premierminister avancierte, wurde Chotard noch vor dem CNPF-Vorstand vom neuen Regierungschef empfangen.

All das hat schließlich nichts genutzt. Dem Intriganten zogen jetzt die französischen Arbeitgeber den ruhigen, aber farblosen François Perigot vor. Der blickt auf eine recht erfolgreiche, aber auch nicht außergewöhnliche Karriere bei Unilever zurück. Zuletzt hatte er als Manager von Unilever France mehr die Rolle eines Koordinators als eines Chefs der verschiedenen Unilever-Tochtergesellschaften mit knapp siebentausend französischen Mitarbeitern.

Der CNPF ist in Frankreich der einzige große Arbeitgeber- und Industriellenverband, unter dessen Dach sowohl Kleinbetriebe als auch die großen Staatskonzerne „kohabitieren“ müssen. Das führt immer wieder zu Spannungen, etliche Unternehmer sind auf ihren Verband schlecht zu sprechen. Der Vorsitzende indes steht noch viel mehr als sein deutscher Kollege im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Man nennt ihn le patron des patrons, den „Chef der Chefs“. Er ist in den Medien und in den Ministerien der allgegenwärtige Sprecher der französischen Wirtschaft. Der Vorgänger von Périgot liebte es überdies, als Lehr- und Zeremonienmeister des französischen Unternehmertums aufzutreten.

Zum ersten Mal hat nun der Arbeitgeberverband einen Vorsitzenden, der aus einem ausländischen Konzern stammt. Es ist zu hoffen, daß François Périgot auch in seiner neuen Funktion den Sinn fürs Internationale wahrt. Sein Vorgänger war trotz wiederholter Einladungen nie nach Deutschland gekommen und hatte für die Mühsalen der deutsch-französischen Industriezusammenarbeit herzlich wenig Interesse.

Roger de Weck