Der rote Lichtstrahl tastet langsam über die Bauchorgane. Blinddarm. Eierstöcke. Gebärmutter. Alles unauffällig. Der Lichtstrahl stoppt. Am linken Eileiter befindet sich eine prallgefüllte Verdickung. Diagnose: Eileiterschwangerschaft.

Der Laser-Lichtstrahl ritzt die äußere Gewebeschicht der Schwellung. Punkt für Punkt schmilzt das Gewebe, öffnet sich wie ein Reißverschluß. Schicht um Schicht dringt das messerscharfe Licht tiefer. Eine Blutung entsteht und wird sofort gestillt: Der Laser verschweißt gleichzeitig kleine Blutgefäße. Schließlich wird die Verdickung abgesaugt. Nachspülen mit Wasser – die Operation ist beendet. Am Tag danach wird die Patientin bereits aufstehen können, sie wird kaum Schmerzen haben; nur eine kleine Öffnung am Bauchnabel wird noch an den Eingriff erinnern.

Der Videofilm, der die ungewöhnliche Operation dokumentiert, entstand im Evangelischen Diakonissenkrankenhaus in Bremen. Als die 26jährige Patientin mit unklaren Unterbauchbeschwerden auf die Gynäkologische Abteilung der Privatklinik eingeliefert wurde, hatte sie damit Glück im Unglück. Denn die Bremer Klinik ist auf Laser-Endoskopien spezialisiert – eine neuartige Operationsmethode, die die Vorteile der bewährten Bauchspiegelung mit der modernen Lasertechnik kombiniert. Üblicherweise ist zur Beendigung einer Eileiterschwangerschaft eine große Operation nötig; ein Stück des Eileiters muß in der Regel entfernt werden. Das bedeutet: mindestens zehn Tage Krankenhausaufenthalt und bei jeder vierten Patientin lebenslange Unfruchtbarkeit.

Die Ärzte des Diakonissenkrankenhauses haben insbesondere Erfahrung in der Behandlung von Sterilitätsproblemen; unter anderem werden hier künstliche Befruchtungen außerhalb des Mutterleibes vorgenommen.

Die Laser-Endoskopie wird von Klinikchef Ernst Heinrich Schmidt schon seit eineinhalb Jahren eingesetzt. Er schwärmt: „So präzise können wir sonst nicht mal mit den allerfeinsten mikrochirurgischen Instrumenten arbeiten. Der Laserschnitt ist sehr schonend für das Gewebe; die Wundheilung geht viel schneller.“ Außerdem werde den Patientinnen eine lange Narkose erspart: „Die meisten fragen schon am nächsten Tag, ob sie nach Hause dürfen. Zur Sicherheit bleiben sie allerdings noch zwei, drei Tage zur Beobachtung in der Klinik.“

In günstigen Fällen bleibt der laser-operierte Eileiter sogar durchlässig und die Frau kann weiterhin ohne Schwierigkeiten schwanger werden.

Die Kombination von Laser und Bauchspiegelung scheint gerade bei kleinen gynäkologischen Eingriffen die ideale Technik zu sein. Mit dem Laser läßt sich besonders exakt arbeiten, wenn das betreffende Gewebe unter Spannung steht. Da bei der Endoskopie der Bauchraum mit Luft gefüllt ist, sind beste Bedingungen gegeben.