Die Lehre von der Wirtschaft braucht eine neue philosophische Grundlage

Von Wolfgang Krüger

Das Vorhaben ist kühn, wenn nicht sogar abenteuerlich. „In diesem Buch“, so eröffnet der Autor – Professor für Wirtschaftswissenschaft mit sozialwissenschaftlicher Ausrichtung an der Bergischen Universität Gesamthochschule Wuppertal den Reigen seiner Gedanken, „unternehme ich den umfassend angelegten Versuch eines Brückenschlags von der neueren praktischen Philosophie zur politischen Ökonomie. Über diese Brücke – das ist die Ausgangsthese – führt ein methodisch disziplinierter Weg auf der Suche nach einem zeitgemäßen ökonomischen Rationalitäts- und Fortschrittsverständnis für die moderne Industriegesellschaft angesichts ihrer drängenden Entwicklungsprobleme. Es geht darum, die verselbständigte und eben deshalb problematisch gewordene ökonomische Rationalität wieder systematisch an praktische Kriterien des guten Lebens der Menschen anzubinden.“

Der englische Romancier und Physiker C.P. Snow sprach aus eigener leidvoller Erfahrung im Jahre 1959 von den „zwei Kulturen“, von den zwei Welten der Geistes- und Naturwissenschaften, zwischen denen sich ein Abgrund tiefen Nichtverstehens aufgetan hat. Ignoranz und Spezialisierung auf beiden Seiten hätten diese großen Wissenschaftsgebiete total entfremdet, was sich immer unheilvoller auf das geistige und praktische Leben auswirke.

Eingekeilt in diesen Konflikt haben auch Philosophie und Ökonomie den Kontakt zueinander verloren. Schon allein der Versuch eines Brückenschlages zwischen diesen beiden weit auseinanderliegenden Disziplinen fordert darum die Aufmerksamkeit des nicht nur ökonomisch, sondern auch philosophisch interessierten Lesers heraus.

Es ist in Inhalt, und Form ein ebenso schwergewichtiges wie schwer lesbares Buch. Denn nicht allein die Wirtschaftswissenschaft ist mit ihrer theoretischen Verselbständigung in eine schier unübersehbare Vielzahl von Schulen und Lehrmeinungen zerfallen. Die Philosophie leidet unter dem gleichen Schicksal. Dazu kommt, daß unter der Philosophie, an die die Ökonomie zu ihrer Gesundung „angebunden“ werden soll, in diesem Buch insbesondere jene philosophische Richtung verstanden wird, für die als Signum der Name Jürgen Habermas steht. Und „Diskurse“ à la Habermas gehören nicht gerade zu den Texten, die sich durch besondere Verständlichkeit auszeichnen.

Dieses Buch muß man also nicht nur lesen, sondern durcharbeiten. Wer aber die zahlreichen philosophisch-ökonomischen Sprachhürden – aufgetürmt in deutscher Professorenmanier nach dem Motto: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht – hinter sich bringt, wird dann am Ende mit einer ganzen Reihe sehr aufschlußreicher Erkenntnisse entschädigt.