Letzte Woche habe ich von der Autonomie der Universitäten gesprochen und von den Unsinnigkeiten infolge bürokratischer Zentralisierung. Viele Kollegen haben mir geschrieben und gesagt: „Man möchte meinen, du redest im Scherz, aber es ist wirklich so.“ Ich weiß, aber die Leute glauben es nicht.

Heute will ich erzählen, was mit den Forschungsgeldern passiert. Es gibt verschiedene Prozeduren, um Forschungsgelder zu beantragen, Gelder vom Nationalen Forschungsrat, vierzig- und sechzigprozentige Teilfinanzierungen, Mittel von da und dort, kurz, einen Dschungel von Prozeduren, von dem ich nie etwas kapiert habe, denn die Alternative heißt: entweder Forschung betreiben oder erforschen, wie man an Forschungsgelder herankommt. Ich habe den Verdacht, daß wer Forschungsgelder erhält, keine Forschung mehr betreiben kann, da er seine ganze intellektuelle Energie für die Beschaffung der Gelder verausgabt hat. Zum Glück lehre ich an einer geisteswissenschaftlichen Fakultät, wo man nach allgemeinem Konsens seit den Zeiten des Parmenides forschen kann, ohne Geld zu haben (indem man sich mit dem Wesen des Grundes beschäftigt), aber ich frage mich, wie die Kernphysiker zurechtkommen.

Das Kriterium des Ministers lautet: Niemandem werden Forschungsmittel verweigert Da die Universitäten nicht autonom sind, ist in den Augen des Großen Weißen Vaters zu Rom eine Alma mater so gut wie die andere, und alle haben das Recht auf Mittel, vorausgesetzt, der Antrag wird normgerecht formuliert. Und um ihn normgerecht zu formulieren, muß man ein Team von Forschern ansetzen, die für den Rest des Jahres nicht mehr zum Forschen kommen, aber Geduld. Wir sind eben Dritte Welt und werden Dritte Welt bleiben.

Das Team formuliert also ein Forschungsprojekt, mit Bibliographien, Kostenvoranschlägen und allem, was dazugehört. Nehmen wir an, die Kosten werden auf 40 Millionen Lire veranschlagt, nur für das Allernotwendigste. Nach einem Jahr überweist das Ministerium, nach Anhörung diverser Kommissionen, deren Namen ich mir nicht merken kann, 10 Millionen. Die übrigen 30 Millionen gehen an drei andere Teams, die jedes 40 Millionen beantragt haben.

Es ist klar, daß ein Forschungsprojekt, das mit Reisen, Material und Varia 40 Millionen gekostet hätte, mit 10 Millionen nicht durchgeführt werden kann. Die 10 Millionen reichen gerade für den Ankauf der nötigen Bücher oder der elektronischen Apparate oder des Papiers oder der Kugelschreiber. Am Ende des Jahres muß man alles verfügbare Geld ausgegeben haben. Hat man es nicht ausgegeben, so muß man es nicht nur zurückzahlen, sondern erhält auch im nächsten Jahr keines mehr.

So kommt es Anfang Dezember in italienischen Universitäten zu einer wilden Einkaufsorgie, als wäre das 13. Monatsgehalt eingetroffen. Wir kaufen zwanzigtausend Kugelschreiber. Aber wir haben bereits zehn, und die reichen uns. Egal, wenn wir jetzt keine Kugelschreiber kaufen, werden wir nie wieder eine Zeitschrift abonnieren können, auch wenn die entscheidende Zeitschrift erst in zwei Jahren erscheint.

Also kaufen wir Kugelschreiber. Dann muß der Rechenschaftsbericht über die geleistete Forschung geschrieben werden. Natürlich ist das Projekt, wenn man statt 40 nur 10 Millionen dafür bekommen hat, nicht abgeschlossen, und das müßte man sagen. Aber wenn man es sagt, kriegt man nie wieder Forschungsgelder. Also greift man zu Ausflüchten und erklärt, das Projekt sei vorläufig abgeschlossen. Man beachte, daß selbstverständlich geforscht worden ist, nur hat man eben, da das Geld für die eine Forschung nicht da war, eine andere Forschung betrieben. Das kann man jedoch nicht sagen, sonst würde das Geld für die Forschung A storniert, um die Forschung B zu betreiben, die aber, da nicht ministeriell abgesegnet, illegal ist. Also schreibt man in den Bericht, daß die Forschung fortgesetzt werden müsse, und wartet auf die nächsten fünf Millionen anstelle der beantragten fünfzig.