ZEIT: Herr Zwickel, sind die starken Sprüche, die zu Beginn dieser Tarifrunde von Arbeitgebern wie Gewerkschaften zu hören sind, nur das übliche Theaterdonner, oder wird es wieder eine Auseinandersetzung wie 1984 geben?

Zwickel: Es muß nicht zu einer Auseinandersetzung wie 1984 kommen. Wenn Grundlage für die Verhandlungen die positiven Erfahrungen sind, die mit der 38,5-Stunden-Woche gemacht wurden, dann müßte man eigentlich sehr schnell zu einem Konsens finden.

ZEIT: Bisher sieht es danach aber nicht aus. Die IG Metall spricht bereits von einem neuen Großkonflikt, und die Arbeitgeber verkünden, die Auseinandersetzung könne noch härter werden als 1984. Das klingt doch eher nach großem Streik.

Zwickel: Ausschließen läßt sich ein Streik nie. Wenn die Arbeitgeber bei ihren bisherigen Positionen bleiben, wenn sie eine weitere Arbeitszeitverkürzung ablehnen, wenn sie auch nein sagen zur Überstundenbegrenzung und zu unseren anderen Forderungen, dann ist es unvermeidbar, daß es wieder zu einem großen Konflikt kommt.

ZEIT: Die Unternehmer klagen, daß in vielen Betrieben die Folgen der 38,5-Stunden-Woche noch gar nicht überwunden wären. Kommt da der nächste Schritt nicht viel zu früh?

Zwickel: Die Arbeitgeber haben immer Klagelieder angestimmt, wenn es um gewerkschaftliche Forderungen ging. Entweder war der Zeitpunkt ungünstig oder irgendwelche anderen Gründe sprachen dagegen.

ZEIT: Diesmal könnten wirtschaftliche Gründe dagegen sprechen, denn die Konjunktur schwächt sich ab. Ist es nicht gefährlich, zu einem solchen Zeitpunkt weitere Arbeitszeitverkürzung zu verlangen?