DIE ZEIT

Worte des Jahres

„Wir kamen nach Island, um die Sache des Friedens voranzubringen, und obwohl wir den weitreichendsten Rüstungskontrollvorschlag in der Geschichte auf den Tisch gelegt haben, hat der Generalsekretär unseren Vorschlag zurückgewiesen.

Die Ära der nicht-erklärten Kriege

Die Supermächte müssen nicht nur über die Rüstungskontrolle verhandeln, sondern auch über die Begrenzung ihrer indirekten militärischen Eingriffe

Im Zuge der Hamburger Demonstration: Schrei nach Brand und Mord

Zu Beginn der zwanziger Jahre skandierten junge Völkische und Freikorpsleute – Vorläufer der Nationalsozialisten – auf den Straßen Berlins eine Mordparole: "Schlagt tot den Walther Rathenau, die gottverdammte Judensau!" Wenig später wurde der Außenminister der Weimarer Republik auf der Fahrt ins Amt von zwei Attentätern erschossen.

Wolfgang Ebert: Unerhört

„Das kann doch gar nicht sein. Eben noch hat mir der Kanzler sein volles Vertrauen gerade in Umweltfragen ausgesprochen. Und nun ausgerechnet Wallmann – der hat davon doch keine Ahnung.

Demonstrationen in China: Die "Stimme des Volkes" verlangt mehr Freiheit

Zwei Wochen dauerte es, dann hatte der Protest aus der Provinz die Hauptstadt erreicht. Rund tausend Studenten der angesehenen Qinghua-Universität gingen am vergangenen Dienstag in Peking auf die Straße, um ihre Solidarität mit den demonstrierenden Kommilitonen überall im Land zu bekunden.

Ernüchterung in Japan: Das Ende des Wunders

Für das Wunderkind Asiens geht die Zeit des unbeschwerten Wachstums zu Ende. Japan, das seit den fünfziger Jahren so erfolgreich auf Vollbeschäftigung und Modernisierung setzte, das die Ölschocks der siebziger Jahre mit erstaunlicher Anpassungsfähigkeit meisterte und zum größten Gläubiger der Welt avancierte, tritt in eine Entwicklungsphase, die von Selbstzweifeln und Pessimismus gekennzeichnet ist.

„Sonderauftrag Linz“

Ehe er sich die Giftkapsel zwischen die Zähne schob und die Pistole an die Schläfe setzte, diktierte er noch einer Sekretärin sein persönliches Testament: „Was ich besitze, gehört – soweit es überhaupt von Wert ist – der Partei, sollte diese nicht mehr existieren, dem Staat.

Ansichten aus der Heimat: Das schöne Dorf - vorher/nachher

Jeder könnte Dutzende anderer Dörfer nennen, denen Ähnliches widerfuhr. Hier aber geht es um ein bestimmtes Dorf, um Echte. Postanschrift Kalefeld 7, gelegen an der A7, mit besten Verkehrsverbindungen nach Osterode, Northeim und Göttingen, 340 Häuser, 1365 Einwohner, darunter 13 Landwirte und über 300 Pendler.

Marienkinder-Sekte: Die lockere Hand des heiligen Josef

Es war zur Weihnachtszeit. Cornelia sollte bei der bevorstehenden Weihnachtsfeier einen Engel darstellen. Dem frommen Spiel gingen ziemlich brachiale Vorbereitungen voraus, wie zwei Jahre später in einer Anklageschrift nachzulesen ist.

Radioaktiver Schlamm: Ein Richter ärgert den Landesvater

Der Sonthofener Amtsrichter Thomas Walther hat sich den Zorn des bayerischen Stammesfürsten Franz Josef Strauß zugezogen; war ihm doch bis dato nicht beizubringen, daß radioaktiv belasteter Klärschlamm ungefährlich ist, weil in der Klärschlammverordnung das Wort „Radioaktivität“ nicht vorkommt.

Die Hürde der fünf Prozent

Vor zwanzig Jahren, im Dezember 1966, wurde die Große Koalition gebildet. In der Regierungserklärung Kurt Georg Kiesingers war die Einführung eines mehrheitsbildenden Wahlrechts vorgesehen, das ein Zweiparteiensystem zur Folge gehabt hätte.

Bundesbank: Amerikahilfe

Die Deutsche Bundesbank, so heißt es im Paragraphen 19 des Gesetzes über das Noteninstitut, darf auf ausländische Währung lautende Wertpapiere kaufen und verkaufen.

Bonner Kulisse

Das Wort des Jahres heißt Ausstieg. So bestimmte es – wie jedes Jahr – der Sprachwissenschaftler Broder Carstensen. Doch auch ohne professorale Nachhilfe dürfte das jedem Zeitungsleser klar gewesen sein, nachdem der Atomunfall von Tschernobyl die Debatte um den Ausstieg aus der Kernenergie auslöste.

Kurzer Abriß der Nationalökonomie

Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben. Das hat mehrere Gründe, die feinsten sind die wissenschaftlichen Gründe, doch können solche durch eine Notverordnung aufgehoben werden.

Von Adam Smith zu Jürgen Habermas: Der Sündenfall der Ökonomie

Das Vorhaben ist kühn, wenn nicht sogar abenteuerlich. „In diesem Buch“, so eröffnet der Autor – Professor für Wirtschaftswissenschaft mit sozialwissenschaftlicher Ausrichtung an der Bergischen Universität Gesamthochschule Wuppertal den Reigen seiner Gedanken, „unternehme ich den umfassend angelegten Versuch eines Brückenschlags von der neueren praktischen Philosophie zur politischen Ökonomie.

Warten auf den Goldregen

Die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) der Reagan-Administration hat eine alte Frage neu aufgeworfen: In welchem Ausmaß treiben wirtschaftliche Interessen die Rüstungsdynamik voran? Von den wirtschaftlichen Interessen hängt es mit ab, inwieweit dies enorme Militärprogramm gegenüber Korrekturen und Kürzungen immun wird, die aus sicherheits- und rüstungskontrollpolitischen Gründen wünschenswert erscheinen.

Schweden: Ein unbequemer Vater

Einen Posten mit starker Entscheidungsgewalt hatte er nie inne, und keine seiner Schriften wurde ein Bestseller. Dennoch haben nur wenige Menschen den Alltag der Schweden so geprägt wie Rudolf Bestseller.

Arbeitgeber: Der Patron der Patrons

Seit dieser Woche hat auch der französische Arbeitgeberverband einen neuen Vorsitzenden. Die Geschicke des Conseil National du Patronat Français (CNPF) leitet künftig der ehemalige Unilever-Manager François Périgot.

Auf der Suche nach der Zukunft

Klaus Barthelt, der Vorstandsvorsitzende der Kraftwerk Union (KWU), sprach von „drei bedrückenden Dingen“: Die Auslastung der Werke in Mülheim und Berlin sei viel zu gering; weil der Stromverbrauch kaum zunehme, würden die E-Werke sich mit Investitionen zurückhalten; und schließlich hemme die Finanzschwäche vieler potentieller Abnehmerländer die Ausfuhr.

Spanien: Invasion aus dem Norden

Ein Jahr der Invasion“ – so beschrieb jüngst eine spanische Wirtschaftszeitschrift jene Flut von ausländischen Investitionen, die bereits 1985 eingesetzt hat.

MANAGER UND MÄRKTE

Woche für Woche, jeweils mittwochs und samstags, wenn die Glücksfeen des Hessischen Rundfunks und des ZDF die Lotto-Zahlen ziehen, hoffen Millionen Bundesbürger, aus einer Mark ein Millionenvermögen zu machen.

Erst recht im Abschwung

Zwickel: Es muß nicht zu einer Auseinandersetzung wie 1984 kommen. Wenn Grundlage für die Verhandlungen die positiven Erfahrungen sind, die mit der 38,5-Stunden-Woche gemacht wurden, dann müßte man eigentlich sehr schnell zu einem Konsens finden.

Der Modemacher aus Wattenscheid

Das langgestreckte Gebäude ist düster-grau verputzt, ein Teil der Wand neben dem Haupteingang ist – im tristen Stil der späten fünfziger Jahre – mit bunten Glasbausteinen verziert.

Das Muster einer mißlungenen politikgeschichtlichen Synthese über 1848/49: Keineswegs ohne Erfolge

Endlich sind nach jahrzehntelanger Pause in den letzten drei Jahren vorzügliche Darstellungen der deutschen Revolution von 1848/49 erschienen: die bisher beste, gedrängte Analyse von Wolfram Siemann (Die deutsche Revolution 1848/49, 1985), die vergleichende Zusammenfassung von Dieter Langewiesche (Europa 1815-1849, 1985), die ausführlichen Revolutionskapitel in Thomas Nipperdeys "Deutscher Geschichte 1800-1866" (1983, 78 S.

Akademie-Skandal

Ja wissen die denn, was sie tun? Mit nicht zu unterbietendem Dilettantismus, ohne Würde, trennt sich die Berliner Akademie der Künste zum Jahresende von einem ihrer international am höchsten angesehenen Angestellten, vom langjährigen Leiter des Archivs und der Bibliothek, Professor Walter Huder.

Zeitmosaik

Aus dem in Korea zweisprachig erschienenen Band „Kohl-Witze“. Der Herausgeber, Nanja Shin (ARD Seoul), versteht den 250 Seiten dicken Band, angereichert durch Photos und Karikaturen des Kanzlers, wie Worterklärungen und Anmerkungen zeigen, auch als Lehrbuch der deutschen Sprache.

Musiktheater: „Rigoletto“ in Hamburg, „Turandot“ in Berlin: Verfluchte Oper

Oper: Seit vierhundert Jahren eine paradoxe Kunst, aus der offenkundigen Irrealität einer erfundenen Fabel wie aus der Absurdität von singenden Darstellern die höchste Stufe der Realität einer emotionalen wie rationalen Betroffenheit zu gewinnen, Oper aber auch: Die paradoxe Kunst, von den Chancen optimaler Konstellationen eine nach der anderen zu vergeben, indem mit traumwandlerischer Sicherheit die Selbstsüchteleien des einen die Neurosen des anderen tangieren und die Rationalität hier die Emotionalität dort trifft; wo verletzt, was nicht ja sagt, wo beleidigt, was nicht applaudiert, wo empört, was nicht den eigenen Ruhm vermehrt – wo die Ichbezogenheit, die das System zunächst selber erzeugt hatte, so hybrid wird, daß sie die Gravitationskräfte des Systems übertrifft: Die Fixsterne enteilen mit unvorstellbarer Geschwindigkeit in die je ihnen eigene Richtung.

Achtung, Satire!: Das Diaghilew-Syndrom

Protokoll einer öffentlichen Anhörung vor dem Untersuchungsausschuß zur Kontrolle mäzenatischer Umtriebe vor allem in den audiovisuellen Medien

Kunstkalender

Ein neuer Star! Eine Sternschnuppe am Kunsthimmel? Was wird versprochen, was wird verkündet, was macht die neue Entdeckung so begehrenswert für Galeristen und Kunstdirektoren? Der Star ist jung, noch jünger als die legendären Dreißigjährigen, die damals neuen „Wilden“.

Filme

Eine Literaturverfilmung, distanziert und streng: Klaus Manns Roman als filmische Lektüre einer vergangenen Gegenwart. Nicht das Drama steht im Mittelpunkt, das theatralische Ereignis, sondern der forschende Blick des Kinematographen, die sichtbare Rede der Körper, der Bewegung.

Gegen den Biographismus: Ich über mich

Am Beginn steht die Absage an die Absage einer Absage. Als Alain Robbe-Grillet, wie er selbst ausführt, 1976 mit der Niederschrift seiner Autobiographie „Der wiederkehrende Spiegel“ begann – mit dem den nouveau roman konterkarierenden Satz „Ich habe nie über etwas anderes gesprochen als über mich“ –, wollte er bewußt angehen gegen die von ihm selbst begründeten Theoreme eines neuen Romans, an dem auch Nathalie Sarraute, der Nobelpreisträger Claude Simon und Michel Butor arbeiteten, jenseits des allwissenden Erzählers und des geschlossenen Bedeutungszusammenhangs.

Fernseh-Vorschau: Sozial und scheußlich

III. Programm (NDR, RB, SFB): „Ein Platz für Menschen“; 1. Teil „Zu Hause im sozialen Wohnungsbau“ von Gina Angress-Köhler und Lore Ditzen; 2.

Schallplatten

Da keines der erreichbaren Lexika und Wörterbücher das Wort kennt, müssen wir glauben, was von den Musikern zitiert wird: Gramelot nenne man im italienischen Theater das Nachahmen fremder Sprachen mit typisch klingenden, sinnlosen Silben.

Fernseh-Kritik: Lametta auf allen Kanälen

Auch der Fernsehturm draußen auf dem verschneiten Berg hielt Einkehr. „Pink“, die Sendung, in der Udo Lindenberg das Christkind mit Rumpelstilzchen verglichen hatte, war noch vor der stillen Nacht aus dem Programm gekippt worden.

Wilde Ehe oder Vorehe?

Die Bundesregierung warnt vor dem Leben ohne Trauschein – warum schafft sie die Benachteiligungen nicht einfach ab?

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